Erik Erikson

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Der Amerikaner Erik Homburger Erikson (* 15. Juni 1902 bei Frankfurt am Main; † 12. Mai 1994 in Harwich, Massachusetts, USA) war ein bekannter Psychoanalytiker. Als solcher gilt er als Neofreudianer. Bekannt wurde er insbesondere durch das von ihm entwickelte Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung.

Nach erfolgreichem Schulabschluss war sich Erikson offenbar nicht ganz klar, welche Berufslaufbahn er ergreifen sollte. Er unternahm eine Wanderung durch Europa und begann eine Bildhauer-Ausbildung. 1927 wurde er Privatlehrer an einer Schule in Wien, in deren Folge er die Bekanntschaft Anna Freuds machte, bei der er dann eine Lehranalyse absolvierte, die er 1933 als Kinder- und Erwachsenen-Psychoanalytiker abschloss. Aufgrund der Machtübernahme der Nazis und der darauf folgenden Judenverfolgung emigrierte er in die USA, wo er sich in Boston niederließ.

1934 hatte er Forschungsaufträge an der Harvard University, einen regulären Doktortitel konnte er aber aufgrund eines fehlenden Hochschulstudiumsabschlusses nicht erwerben. Künstlerisch-philosophische Tendenzen bedeuteten ihm mehr als trockene Wissenschaft, was seinen späteren literarischen Arbeiten sehr zugute kam. 1936 befasst er sich mit ethnologischen Problemen und untersuchte das Erziehungsverhalten der Sioux-Indianer.

1939 siedelte er nach Kalifornien über, wo er sich der Erforschung der Verbindungslinien zwischen Anthropologie, Psychoanalyse, Geschichtswissenschaft einerseits und der Krankengeschichte von Einzelnen anderseits widmete. Er erhielt Lehraufträge von zahlreichen Universitäten und einen Ehrendoktor der Universität Berkeley.

Erikson hat viele neue Gesichtspunkte in die Psychoanalyse mit eingebracht. Er machte aus ihr eine multidisziplinäre Forschung, indem er tragfähige Brücken zur Sozialwissenschaft, zur Pädagogik, zur Biographik, zur Geschichtsschreibung, zur Ethnologie und Anthropologie schlug.

Man kann Erikson einen genialen Autodidakten nennen, denn er hat ohne abgeschlossene akademische Ausbildung weitreichenden Einfluss auf die universitären Disziplinen gewonnen. Sein Beitrag zur Entwicklungs- und Kulturpsychologie ist bis heute sehr bedeutend.

Theorie der Lebenskrisen[Bearbeiten]

Erikson grenzte sich nach seiner Ausbildung bald von seinem geistigen Lehrmeister Sigmund Freud ab. Während dieser in seiner Entwicklungstheorie die These vertrat, dass die psychische Entwicklung einhergeht mit der geschlechtlichen Reifung und daher weitgehend mit dem Ende der Pubertät abgeschlossen sei, vertrat Erikson eine differenziertere Entwicklungstheorie. In seiner Theorie der Lebenskrisen entwickelt er ein Modell der psycho-sozialen Entwicklung (im Gegensatz zur psycho-sexuellen Entwickung bei Freud).

Nach seiner Ansicht verläuft die psychische Reifung des Menschen anhand des Durchlebens von acht Lebenskrisen über das gesamte Leben hinweg. Jede dieser Krisen kann der Mensch erfolgreich durchleben - dann wird er gestärkt für seinen weiteren Lebensweg heraustreten aus dieser Lebensphase. Im ungünstigen Fall wird der Mensch an der Entwicklungsaufgabe, vor den ihn diese Lebenskrise stellt, scheitern. Dann wird er psychisch geschwächt oder verunsichert seinen weiteren Lebensweg gehen, und ist damit auch schlechter auf das Durchschreiten der nächsten Lebenskrise gewappnet.

Die ersten fünf Lebenskrisen entsprechen in etwa den fünf psychosexuellen Reifungsphasen nach Freud und machen damit noch einmal deutlich, wie stark Erikson doch von seinem Lehrmeister beeinflusst war und dass er dessen Gedanken nicht grundsätzlich in Frage gestellt hatte.

(Auswahl)[Bearbeiten]

Werke
* Einsicht und Verantwortung; Frankfurt a.M. (1964) 1971
  • Identität und Lebenszyklus. Drei Aufsätze; Frankfurt a.M. 1966; 2. Aufl. 1973
  • Der junge Mann Luther. Eine psychoanalytische und historische Studie. 1975.
  • Gandhis Wahrheit. Über die Ursprünge der militanten Gewaltlosigkeit. 1978.
  • Jugend und Krise; Stuttgart 1980
  • Der vollständige Lebenszyklus; Frankfurt a.M. 1988; 2. Aufl. 1992
  • Kindheit und Gesellschaft1950 Stuttgart, Klett, 5. Auflage 1974 (dieses Werk wurde in 12 Sprachen übersetzt)
  • Kinderspiel und politische Phantasie; Frankfurt Suhrkamp
  • Lebensgeschichte und historischer Augenblick; 1975 Frankfurt, Suhrkamp 1977

Weblinks[Bearbeiten]