Episodisches Interview

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Eine Mischform der Befragung stellt das hier näher beschriebene episodische Interview dar. Die Befragung ist eine Methode der Datenerhebung die die einzigartige Fähigkeit des Menschen zur verbalen Kommunikation ausnutzt. In der qualitativen Forschung besteht die Befragung aus einer Reihe von Techniken, die hinsichtlich ihres jeweiligen Strukturierungsgrades variieren.

Zusammenhänge beim Erinnern[Bearbeiten]

Eine Mischform der Befragung stellt das hier näher beschriebene episodische Interview dar. Sein Ausgangspunkt ist die Annahme, dass sich menschliche Erfahrungen hinsichtlich eines bestimmten Gegenstandbereichs von diesen in zwei unterschiedlichen Formen abgespeichert und organisiert werden.

im „episodischen Wissen“ und
im „semantischen Wissen“
  • Die eine Form stellt das „narrativ-episodischen Wissen“ dar. Dieses Wissen ist erfahrungsnah und immer verknüpft mit einer konkreten Situation und deren Umstände. Der Ablauf der Situation im jeweiligen Kontext ist die zentrale Einheit um die das Wissen individuell organisiert ist.
  • Aus mehreren verschieden konkreten Situation zu einem Gegenstandsbereich organisiert sich das „semantische Wissen“. Diese setzt sich zusammen aus abstrahierten, verallgemeinerten Annahmen und Zusammenhängen zum Gegenstandsbereich. Hier sind Begriffe, Oberbegriffe und ihre Zusammenhänge die zentrale Einheit.

Konkretes Vorgehen[Bearbeiten]

Um beide Bestandteile des Wissens über einen Gegenstandsbereich in Erfahrung zu bringen, wurde von Flick ein Verfahren entwickelt, dass narratives episodisches Wissen über Erzählungen/Erzählfragen für die Analyse erhebt und das semantische Wissen durch konkreten-zielgerichteten Fragen zugänglich macht. Ziel ist es die Erfahrungen in allgemeiner, vergleichender Form darzustellen und gleichzeitige die entsprechenden Situationen/Episoden zu erfahren. Somit setzt sich ein episodisches Interview aus einer Kombination von situativen, episodischen Erzählungen mit ihren jeweiligen erzählgenerierenden Fragen, sowie konkreten Nachfragen nach dem individuell daraus begrifflich und regelorientiertem abgeleiteten Wissen zusammen.

Zur Vorbereitung auf das Interview wird ein Leitfaden erstellt welcher mögliche erzählgenerierenden und konkreten Fragen enthält.

Beispiel: Interview mit Pflegekräften zum Thema „Gesundheit“

  • Wenn Sie sich zurück erinnern, was war Ihre erste Erfahrung wo sie sich „Gesundheit“ bewusst geworden sind.
  • Was ist für Sie Gesundheit? Was verbinden Sie mit Gesundheit?
  • Hat sich Ihre Vorstellung von Gesundheit im Laufe Ihres Berufslebens gewandelt
  • Bitte erzählen Sie mir Ihren gestrigen Tagesablauf. Wie, wann, wo hat Gesundheit dort für Sie eine Rolle gespielt?

In der konkreten Situation wird eine kurze Erläuterung über die durchgeführte Interviewtechnik vorgeschaltet. Für den Ablauf des Interviews gelten die allgemeinen Probleme und Fallstricke.

Es wird deutlich, dass sich das episodische Interview zur Analyse von individuellen alltäglichem Wissen zu einem bestimmten Gegenstand oder Thema und die zugehörigen Geschichten eignet, und so den Prozesse der Wirklichkeitskonstruktion beleuchtet.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Flick Uwe (2002) Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Reinbeck bei Hamburg. Kap. Das episodische Interview, S.158-167
  • Flick U. et al. (2004) Gesundheit als Leitidee? Subjektive Gesundheitsvorstellungen von Ärzten und Pflegekräften, Hans Huber Verlag Bern
  • Flick U. et al. (1995) Handbuch Qualitative Sozialforschung, Beritz Weinheim, kap. Befragungsmethoden S.177-188