Epilepsie

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Als Epilepsie bezeichnet man eine Erkrankung, bei der mehr als einmal Krampfanfälle aufgetreten sind. Die Epilepsie wird auch Fallsucht, Anfallskrankheit, Anfallsleiden oder Krampfleiden genannt. Es besteht eine erhöhte Krampfbereitschaft des Gehirns.

Nach der Definition der International League Against Epilepsy (ILAE) werden die verschiedenen Verlaufsformen unterschieden in fokale, generalisierte und nichtklassifizierbare Anfälle.

Ursachen[Bearbeiten]

Bei der Hälfte aller Betroffenen ist die Ursache der Epilepsie unbekannt.

Exogene Faktoren können sein:

  • Schlafentzug
  • Alkohol
  • Lichtreflexe (Flackerlicht von Fernseher, Computerbildschirm, in Diskotheken, Blitzlicht bei Fotografie)
  • hohes Fieber
  • Hypoglykämie
  • Menstruation
  • Medikamente
  • Stress & Angst

Endogene Faktoren:


Verlaufsformen[Bearbeiten]

Fokale Anfälle[Bearbeiten]

Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Stelle des Gehirns aus und werden daher auch Herdanfälle genannt.

  • Einfache fokale Anfälle: das Bewusssein ist erhalten, motorische Ausfälle sind möglich. Beispiele: Jackson-Anfälle, Adversiv-Anfälle
  • Komplexe fokale Anfälle: Bewusstseinstrübung oder -verlust mit automatisch erscheinenden Bewegungsabläufen (z.B. im Bereich der Gesichtsmuskulatur beim oralen Typ mit Kauen, Schmatzen oder Schlucken
  • Anfälle mit Entwicklung zu sekundär generalisierten Anfällen: Dabei kommt es zu einer weiteren Ausbreitung auf die übrigen Hirnbereiche.

Kündigt sich der Anfall mit einer Aura an, kann dies ein Hinweis sein, in welcher Hirnregion der Anfall seinen Ursprung hat.

Generalisierte Anfälle[Bearbeiten]

Ein Anfall wird als primär generalisiert bezeichnet, wenn es keine Hinweise auf eine bestimmte Hirnregion als Ausgangsort gibt.

Grand mal[Bearbeiten]

Der generalisierte große Krampfanfall (Synonyme: Grand-mal, Konvulsion) ist die bekannteste Epilepsieform, welche sich mit Vorboten wie Herzklopfen, Druckgefühl im Kopf und Schwindel ankündigt. Es kommt zu tonisch-klonische Anfällen – der typische Anfall mit eventuellem Initialschrei, Bewusstseinsverlust, Sturz, Verkrampfung, rhythmischen Zuckungen beider Arme und Beine sowie (in einigen Fällen) mit Zungenbiss und kurzem Atemstillstand.

Typische Grand-mal-Stadien mit Symptomen[Bearbeiten]

50% der Patienten haben vor einem Anfall eine Aura, ein subjektives Vorempfinden, welches sich z.B. durch Kribbeln oder Druck im Oberbauch, halluzinatorische Wahrnehmungen, abnormes Geruchs- oder Geschmacksempfinden, Farben oder Funken sehen, Töne hören äußert.

  • Patient stürzt bewusstlos, oft mit Initialschrei, zu Boden.
  • Schlafphase: die Zuckungen hören auf, der Terminalschlaf beginnt
  • Amnesie: Patient erinnert sich nicht an den Anfall

Weitere generalisierte Anfälle[Bearbeiten]

  • Absence (Petit-mal-Epilepsie): kurze Bewusstseinspause ohne weitere sichtbare Symptomatik
  • Myoklonischer Anfall mit einzelnen oder unregelmäßig wiederholten Zuckungen einzelner Muskelgruppen
  • Astatischer Anfall
  • Tonische Anfälle
  • Klonische Anfälle

Komplikationen[Bearbeiten]

Der Status epilepticusist eine ernste Komplikation. Dabei kommt es zu einer Serie von tonisch-klonischen Krämpfen über mehr als 20 Minuten, ohne zwischenzeitliche Erholung des Patienten. Mit zunehmender Dauer des Anfalls kann dabei die motorische Aktivität verschwinden, meist ist nur noch ein Nystagmus erkennbar. Das Gehirn befindet sich aber weiterhin im generalisierten Anfall.
Der Status epilepticus geht mit einer Letalität von 5 - 10% einher und muss daher immer medikamtentös unterbrochen werden.

Diagnose[Bearbeiten]

  • Sicherung durch EEG
  • durch Angiographie
  • durch Blutuntersuchungen (Anfälle durch Niereninsuffizienz, Alkohol-Genuss)
  • CT
  • Flackerlichtstimulation (Stroboskoplicht)

Therapie[Bearbeiten]

Prophylaktische Behandlung[Bearbeiten]

Die Vorbeugung von Krampfanfällen besteht in der regelmäßigen Einnahme von antiepileptischen Medikamenten (Antiepileptic Drugs, AED) wie Carbamazepin oder Gabapentin, Levetiracetam, Phenytoin oder Valproat. Levetiracetam und Valproat sind auch als Injektionslösungen verfügbar, was von Bedeutung ist bei Patienten, die Medikamente nicht (mehr) oral zu sich nehmen können.

Akuttherapie[Bearbeiten]

Es gilt vor allem, Ruhe zu bewahren. Während des Anfalls wird der Patient nach Möglichkeit vor Verletzungen geschützt, aber nicht festgehalten: Ein Kissen oder eine Decke (auf der Straße Jacke oder Pullover) unter den Kopf legen, scharfe und spitze Gegenstände aus der Umgebung entfernen. Nicht versuchen, einen Keil oder ähnliches in den Mund zu stecken.
Medikamente (Benzodiazepine wie Lorazepam oder Diazepam) werden nach ärztlicher Anordnung intravenös, subcutan, nasal oder rektal verabreicht.

Bei Bewußtlosigkeit nach dem Anfall wird der Patient in stabile Seitenlage gebracht, bis er wieder bei Bewusstsein ist. Bewusstseinsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten können aber über 24 Stunden anhalten.

Für den Fall des Status epilepticus:

  • Tablett mit Venenverweilkanüle (wenn noch kein i.v.-Zugang vorhanden ist), Spritzen, Kanülen, Hautdesinfektionsmittel, Fixierpflaster
  • Ampullen mit entsprechender Injektionslösung (Medikamente der 1. Wahl: Benzodiazepine; 2. Wahl: Valproat, Phenytoin, Phenobarbital, Medikamente der 3. Wahl Levetiracetam, Topiramat oder im Off-Label-Use Thiopental, Propofol, Lidocain[1])
  • Materialien zur Intubation: Guedel-Tubus, Intubationsbesteck
  • Verlauf beobachten

Empfehlungen für Epileptiker[Bearbeiten]

  • Anfallsauslösende Faktoren wie Schlafentzug, flackernde Lichtreize (Disko, Bildschirmarbeiten, Fernseher) und Alkohol & Koffein in größeren Mengen vermeiden
  • Beruf mit Rücksicht auswählen. Ungeeignet sind: Dachdecker, Kraftfahrer, Schichtarbeiter
  • Für das Fahrverbot gibt es Richtlinien, die je nach Anfallsart das Führen eines Privatfahrzeuges nach einer Anfallsfreiheit von bestimmter Zeit wieder erlaubt.
  • Sportarten sind fast alle erlaubt, wenn man sie mit Bedacht ausführt. Schwimmen nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen (--> Selbst/Fremdgefährdung im Falle eines Anfalls)
  • Bei Kinderwunsch mit Arzt sprechen, da manche Antiepileptika Missbildungen begünstigen
  • Anfallstagebuch führen
  • Patient darf Antiepileptika nie selber absetzen oder Dosis verändern
  • Vor Einnahme anderer Medikamente, z. B. Schmerzmittel, Arzt nach möglichen Nebenwirkungen fragen

Literatur[Bearbeiten]

  • Epilepsien und epileptische Anfälle. In: J. Walter, K.-A. Jochheim, W. F. Haupt: Neurologie und Psychiatrie für Pflegeberufe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009 ISBN 978-3-13-152300-6
  • Epilepsien. In: Reinhard Rohkamm: Taschenatlas Neurologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2008 ISBN 978-3-13-158333-8
  • Sabine Kempa: Bei „Gewitter im Kopf“ hilft EFA. In: Heilberufe 62:6:54-55, DOI: 10.1007/s00058-010-0679-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Golla, R. Voltz: Epileptischer Anfall und Status epilepticus. In: Leitfaden Palliative Care - Palliativmedizin und Hospizbetreuung. Hrsg. R. Voltz, S. Roller, C. Bausewein; Urban & Fischer in Elsevier 2010, S. 333 ISBN 978-3-437-23312-8



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