Enterostoma

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Enterostoma (veraltet Anus praeter naturalis) wird im umgangssprachlichen Gebrauch als künstlicher Darmausgang bezeichnet und ist ein Sammelbegriff für die Stomata:

Im Alltag wird ein Enterostoma kurz Stoma genannt.

Bei einem Stoma wird ein noch funktionsfähiger Darmteil durch die Bauchdecke ausgeleitet. Dabei wird der Darm als entständiges oder doppelläufiges Stoma an der Bauchdecke durch Nähte befestigt. Das Entleeren des Stuhls erfolgt unwillkürlich über das Stoma in einen Beutel, der mit Hilfe einer Hautschutzplatte auf der Bauchdecke aufgeklebt ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Indikationen für eine Stoma-Anlage

Mögliche vorangegangene Erkrankungen, welche die Anlage eines Enterostomas notwendig werden lassen, sind Karzinome, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Divertikulitis, Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP), Erbkrankheiten wie das Lynch Syndrom, sowie Komplikationen im Rahmen abdominaler Eingriffe, Organfehlbildungen bei Neugeborenen oder Unfälle. Das Operationsverfahren nennt man Enterostomie, in den Einzelfällen je nach Lokalisation Ileostomie oder Colostomie. Betroffen sind alle Altersgruppen und beide Geschlechter zu fast gleichen Teilen – jedoch steigt das Risiko von Darmkrebserkrankungen ab dem 50 Lebensjahr an. An Darmkrebs (alle Formen berücksichtigt) erkranken jährlich mehr als 70.000 Menschen - davon wird etwa knapp der Hälfte ein Stoma angelegt. Schätzungen zufolge leben in Deutschland um die 100.000 Menschen mit einem Stoma.

endständiges Stoma
doppelläufiges Stoma

[Bearbeiten] Endständiges Stoma

Nach vollständiger oder umfangreicher Entfernung des Dickdarms, des Mastdarms (Rektum) und/oder des Afters (Anus) wird in der Bauchdecke eine Öffnung geschaffen. Endständig bedeutet hier nicht zwangsläufig, dass ein Stoma dauerhaft angelegt wurde, sondern bezieht sich vielmehr auf die Art und Weise, wie mit den beiden Darmenden nach der Operation verfahren wird. Bei einem endständigen Stoma wird die zuführende, orale Darmschlinge (aus Richtung Mund kommende Schlinge) in der Bauchwand eingenäht. So entsteht nur eine einzige sichtbare Öffnung. Der abführende, distale Darmschenkel (zum After hin verlaufend) wird in seiner Öffnung komplett verschlossen. Ein endständiges Stoma ist häufig auf Dauer angelegt und wird im Regelfall nicht zurückverlegt, doch ist dies bei Anlage eines Stomas mittels Hartmann-OP durchaus möglich.

[Bearbeiten] Doppelläufiges Stoma

Dient meist der vorübegehenden Entlastung, z.B. bei Entzündungen im nachfolgenden Abschnitt oder zur Entlastung frisch angelegter Anastomosen. Sie werden bei nicht mehr bestehender Indikation wieder zurückverlegt. Nach der Eröffnung der Bauchdecke wird ein funktionsfähiger Bereich des Darms als Schlinge herausgezogen. Um das Zurückgleiten des Darms in den Bauchraum zu verhindern, wird häufig ein so genannter Reiter z.B. in Form eines flachen Kunststoffstabes unter die Schlinge geschoben. Dieser wird weder mit der Haut, noch mit dem Stoma vernäht. Anschließend wird der Darm von oben eingeschnitten und nach außen umgestülpt, so dass zwei sichtbare Darmöffnungen entstehen. Der stuhlfördernde Darmabschnitt (aus Richtung Magen / Mund kommend) wird als zuführende Schlinge oder oraler Schenkel, der abführende Teil (in Richtung Anus verlaufend) als abführende Schlinge oder aboraler Schenkel bezeichnet. Im distalen (aboralen) Darmteil werden weiterhin Zellen und Schleim abgestoßen und über den Anus und das Stoma abgeführt.

[Bearbeiten] Permanentes Stoma

Dauerhaft, nicht rückverlegbar angelegtes Stoma.

[Bearbeiten] Temporäres Stoma

Vorübergehendes, nicht dauerhaft angelegtes Stoma.

[Bearbeiten] Stomaversorgung

Unter einer Stomaversorgung versteht man Beutelsysteme, die am Körper um das Stoma mittels einer Hautschutzplatte befestigt (aufgeklebt) werden und den Stuhl auffangen. Dabei unterscheidet man unter einteiligen- und zweiteiligen Systemen. Innerhalb dieser Systeme bieten die Hersteller geschlossene Beutel, als auch Stomaversorgungen mit offenen Ausstreifbeuteln an.

Zweiteilig bedeutet: Stomabeutel und Hautschutzplatte sind getrennt voneinander und werden über z.B. Rastringe miteinander verbunden

Einteilig bedeutet: Stomabeutel und Hautschutzplatte sind fest miteinander verbunden, Rastringe o.ä. fallen weg

Einsatz von geschlossenen Stomabeuteln: bei festen bis dickbreiigen Stühlen bei Colostomien

Einsatz von offenen Ausstreifbeuteln: bei dünnbreiigen bis fast flüssigen Stühlen bei Ileostomien

[Bearbeiten] Stoma-Rückverlegung

Ein temporär (vorübergehend) angelegtes Stoma kann zurückverlegt werden. Grundvoraussetzung für die Rückverlegung eines Stomas ist das Ausheilen der Darmnaht vorangegangener Operationen. Dies ist fühestens nach 6-12 Wochen der Fall. Weiterhin muss sichergestellt werden, dass der Schließmuskel intakt und funktionsfähig ist, damit der Betroffene nach der Rückverlegung des Enterostomas kontinent ist. Bei der Rückverlegung werden die Darmenden aus der Bauchwand gelöst und miteinander vernäht. Ein Sonderfall stellt hier ein Pouch dar, bei dem Darmschenkel an ein operativ künstlich aus Dünndarmschlingen geformtes Reservoir angeschlossen werden.

[Bearbeiten] siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

[Bearbeiten] Weblinks

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