Dronabinol

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Dronabinol ist der internationale Freiname für das psychoaktiv wirksamste Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und ist neben Cannabidiol (CBD) einer der pharmakologisch wirksamsten Bestandteile der Cannabispflanze. Seit 1998 ist es eine verkehrs- und verschreibungsfähige Rezeptursubstanz, d.h. das Medikament wird in der jeweilig beauftragten Apotheke nach Verordnung hergestellt, da es noch kein zugelassenes Fertigarzneimittel in Deutschland gibt. Aus den USA oder Kanada kann Marinol™ als Fertigarzneimittel importiert werden, was aber einen hohen Verwaltungsaufwand erfordert, da es unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Wirkung[Bearbeiten]

Dronabinol verursacht zentrale sympathomimetische Effekte und komplexe Wirkungen auf das ZNS; es wirkt u.a. antiemetisch, appetitsteigernd, entzündungshemmend, schmerzlindernd und muskelentspannend. Als psychotrope Substanz hat es einen stimmungsaufhellenden Effekt.

Der Wirkungseintritt bei oraler Einnahme erfolgt innerhalb von 30 bis 60 Minuten, die antiemetische Wirkung hält ca. 4 bis 8 Stunden an, die appetitsteigernde Wirkung ca. 24 Stunden.

Die Dosierung von Dronabinol sollte bei Therapiebeginn einschleichend erfolgen (d.h. mit niedrigster Dosierung beginnen und bei Bedarf langsam steigern), ebenso sollte es bei Therapieende ausgeschlichen werden.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Vor allem zur Appetitsteigerung wird Dronabinol bei Kachexie von AIDS- und Krebspatienten eingesetzt. Der appetitsteigernde Effekt kann bis zu 24 Stunden andauern. Es hemmt außerdem z.B. während einer Zytostatika-Therapie Übelkeit und Erbrechen und wird dann eingesetzt, wenn andere antiemetische Medikamente keine Wirkung zeigen.

Bei Multipler Sklerose kann es Muskelkrämpfe und Spastiken reduzieren. Als Ko-Analgetikum erhöht es in der Schmerztherapie die Wirkung von Opioiden und lindert gleichzeitig deren Nebenwirkungen. Es wird daneben zur Behandlung von chronischen und therapieresistenten Schmerzen (beispielsweise Kopfschmerzen und starke Migräne), bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer oder Epilepsie, zur Senkung des Augeninnendrucks (Glaukom) und zur Reduzierung asthmatischer Beschwerden eingesetzt.

Bei ADHS verbessert es die Konzentration und die Impulskontrollstörung wird reduziert.

Nebenwirkungen / unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten]

- Mundtrockenheit
- Hypotonie, Tachykardie (daher ungeeignet für Patienten mit Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern)
- Benommenheit, Sedierung
- Euphorie
- Halluzinationen, Desorientiertheit

Die meisten unerwünschten Wirkungen reduzieren sich nach wenigen Tagen bei regelmäßigem Gebrauch. Es besteht ein gewisses Abhängigkeitspotential(unter 1%), das aber unter medizinischer Kontrolle nicht relevant ist. Bei plötzlichem Absetzen von Dronabinol kann es zu psychischer Entzugssymptomatik kommen, abhängig von der Höhe der zuvor längerfristig verabreichten Dosierung.

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Bei gleichzeitiger Anwendung von Antihistaminika, Benzodiazepinen, Opiaten, Muskelrelaxantien und Einnahme von Alkohol muss mit gegenseitiger Wirkungsverstärkung gerechnet werden. Auf Psychopharmaka sollte während der Therapie mit Dronabinol möglichst ganz verzichtet werden, auch trizyklische Antidepressiva können eine Wechselwirkung hervorrufen.

Darreichungsformen[Bearbeiten]

Mittels der Rezeptursubstanz, welche die Apotheke vom Hersteller beziehen kann, können entweder eine ölige Lösung oder Hartgelatinekapseln zur oralen Einnahme hergestellt werden, möglich ist auch die Zubereitung einer alkoholischen Lösung zur Inhalation.

Kostenübernahme[Bearbeiten]

Dronabinol wird in Deutschland eher selten eingesetzt. Ein Grund dafür kann sein, dass die Gesetzliche Krankenkasse bislang nicht verpflichtet ist, die relativ hohen Kosten zu erstatten ("Rezepturarzneimittel mit nicht zugelassenen Wirkstoffen dürfen nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts in der Regel nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden.""[1] Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin hat sich in einer Stellungnahme für eine Kostenerstattung in bestimmten Fällen ausgesprochen, da die positive Wirkung für bestimmte Indikationen durch etablierte Studien nachgewiesen werden konnte. Mittlerweile übernimmt die Krankenkasse auf Antrag die Kosten bei entsprechender Indikation ("Ob im Einzelfall diese Voraussetzung vorliegt, beurteilen Experten des Medizinischen Dienstes im Auftrag der jeweiligen Krankenkasse").

Erforderlich für den Bezug von Dronabinol in Österreich ist ein Suchtmittelrezept. Dronabinol muss, soll es von der Kasse bezahlt werden, chefärztlich bewilligt werden. Sollte dies nicht möglich sein, kann das Medikament gegen Vorlage des Suchtmittelrezeptes auch privat bezahlt werden. Die Erfolgsaussichten für eine chefärztliche Bewilligung werden derzeit immer größer (> 50 %); weiterhin ist die Beilage ärztlicher Empfehlungen oder Gutachten zum Ansuchen in den meisten Fällen hilfreich.

Quellen[Bearbeiten]

- C. Bausewein et al., Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin, Elsevier/Urban & Fischer München, 1. Auflage 2005
- Informationsschrift Das Cannabinoid Dronabinol als Rezepturarzneimittel der Delta 9 Pharma GmbH, Neumarkt
- Informationsschrift der THC Pharm GmbH, Frankfurt 2005

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitat aus einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums, März 2012; auf selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de, abgerufen am 30. Mai 2013