Diskussion:Die Krankenfabrik
Aus PflegeWiki
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Mitschrift
Hier folgt eine Mitschrift bei der Sendung
[Bearbeiten] Orte, Pflegende
Neurochirurgie K3 (Sr. Bettina, 1600 €, durch die Leitung weniger netto als Kolleginnen, die alle Schichten arbneiten. 326 Ü-Stunden; Sr. Kirsten N. 20 Berufsjahre 1 Pfegekraft für 12 Pat. ), allg. Gyn.Station (Sr. Ilona), Innere Wachstation (Aufnahme Rettung; Sr. Katja P. arbeitet 75%, 3-Schichtbetrieb)
[Bearbeiten] Handlung
10 MIn für das Essen: für eine Person? Nein 15.
Umgang mit dem Stress? Freude am Beruf. Körperliche Belastung vergeht.
Gott sei Dank ist es noch gut gegangen.
Hedwig François-Kettner, Pat.fürsprecherin
Visite, Fehlalarme, Telefonate
Bisher keine Untersuchung über Sterberisiko in dt. Kliniken mit wenig Personal.
Patientin einer Chemotherapie liegt unnötig einen Tag länger, weil die Laboruntersuchungen nicht rechtzeitig laufen konnten.
Frank Weidner zur Arbeitsverdichtung. Später: Pflege ist im Krankenhaus eigentlich gar nicht mehr vorgesehen.
Karl Lauterbach (SPD): Etathoheit der Kliniken, die erspartes Geld nicht in die Pflege stecken. Ausgabensteigerungen im Gesundheitswesen erreichen nicht die größte Personalgruppe, die Pflege.
Erstversorung eines Notfalls bringt das Team schon an personelle Grenzen.
Burnout – wieviele: Gegenfrage, die es zugeben? Durch Fluktuation nicht so sichtbar. Eher sind es die seelischen Überforderungen. Geschätzt 80% auf der Station.
Alarm, Patientin gestürzt.
Keine Untersuchung in D zu Medikamentenfehler. Eine Schweizer Studie nennt 40% Pflegende, die geschehene Fehler zugeben.
Informationsaustausch Arzt und Pflegende wird durch Personalmangel schwieriger oder fehlerhafter.
Sabine Bartholomeyczik: Verweildauer der Patienten werden ständig kürzer. Die Angst der Pflegenden Fehler zu machen, nimmt zu.
Patientin sagt, dass sie bei einigen Pflegenden darauf achten muss, ob ausreichend desinfiziert wird (Port).
Eine Fußwaschung ist eine absolute Ausnahme. Pflege ist ein Anhängsel an die Fallpauschale.
Am Telefon: "Habe hier eine Patientin, aber noch kein Zimmer."
Der Pflegerat wird zitiert mit der Klage über die Rationierung der Pflege!
Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, dazu befragt: nein. Die Krankenhäuser sind für Personaleinsatz selbst verantwortlich.
Sabine Bartholomeyczik: das Pflegen wird privatisiert, in die private Wohnung verschoben.
Georg Baum, DKG, beklagt die Folgen des Arbeitszeitgesetzes im ärztlichen Bereich.
Wünsche einer Patientin C.: mehr Zeit für die Patienten, um ihnen Untestützung zu geben.
Lauterbach schlägt vor, dass Pflegepersonal zum Erfolgsfaktor in der Öffentlichkeit gemacht würden
Pflege wie am Fließband und die Schuldzuweisungen der Verbände und Politiker.
Schlussworte von der Kr.Sr. Bettina: fühle mich ungerecht behandelt.
[Bearbeiten] Subjektive Bewertung
45 Min, die eine/einen eigentlich nur deprimieren
- oder zornig machen können.
- n3 20:04, 19. Jan. 2009 (UTC) -
- Da kommen einem ganz böse Gedanken: Ob dahinter nicht System steckt? Im Krankenhaus sollen sich Patienten nicht unbedingt wohl fühlen, sonst bleiben sie zu lange... und vielleicht ist es sogar gewollt, dass einige dabei auf der Strecke bleiben. Das würde natürlich kein politisch Verantwortlicher zugeben, die Schuld tragen dann ja auch die, die vor Ort die Fehler machen. So gesehen müsste es jetzt nicht "Ambulant vor Stationär", sondern "A. statt S.". Denn die häusliche Pflege wird ja noch weniger kontrolliert, da müssen die ohnehin schon stark belasteten Hausärzte die (pflegerische!) Verantwortung übernehmen - auch für 'n Appel und 'n Ei. Nächste Folge: Auf dem Land will sich auch kaum noch einer als Allgemeinmediziner niederlassen.
- Noch etwas, was die Pflegenden "am Bett" zerreisst: Die Spanne zwischen theoretischem Anspruch und dem, was praktisch in der knappen Zeit davon umgesetzt werden kann. Da würde ich mir von der Pflegewissenschaft wünschen, dass sie realistische Zeit- und Personalberechnungen für jede Standard-Umsetzung vorlegt und einfordert - statt der x-ten neuen Pflegetheorie.
- So wie es eine Slow Food-Bewegung gibt, müsste sich auch eine Slow Care-B. durchsetzen - Pflegende sollten sich nicht auch noch gegenseitig zu mehr Tempo hetzen, dass machen sie schon seit Jahrzehnten - mit genau diesen Folgen.
- @n3: Danke für Deine Mitschrift! Vielleicht kannst Du sie stellenweise noch bearbeiten, ist manchmal nicht ganz eindeutig nachzuvollziehen, wenn man's nicht gesehen hat. Grüße von Birgit 08:17, 20. Jan. 2009 (UTC)
Die Probleme sind bekannt, werden aber nicht gelöst: Insider warnen nicht unbegründet vor den Folgen eines Gesundheitssystems, das vor lauter Effizienzdenken das Wohlergehen der Patienten aus den Augen verliert. In diesem Teufelskreis aus Effizienzdenken, Einsparwahn und Zeitmangel, werden Ärzte, Pflegepersonal und Patienten gegeneinander ausgespielt. Auf diesem Boden verkommt unser kommerzialisiertes Gesundheitssystem durch eine ungesunde Überbürokratisierung, geprägt von Kontroll- und Sparwut, Profitsucht und Lobbyisteninteressen.
Würde man uns Pflegende fragen, wo wir denn arbeiten möchten, sollte es das humanistisch geprägte Umfeld sein, das nicht nur eine „feine, kleine Privatmedizin“ anbietet, sondern eine bezahlbare medizinische Spitzenversorgung für alle Menschen garantiert.
So lange Politik, Gesellschaft, Berufsverbände und die „Pflegewissenschaft“ sich nur mit sich selbst beschäftigen und die kapitalistische Gesellschaft nur das Geld und die Gier als Triebfeder kennt, ist kein Ende in Sicht,
Denk ich an das deutsche Gesundheitssystem in der Nacht, dann bin auch ich um den Schlaf gebracht: Das betrifft ebenso Birgits Aussage:“ Die Spanne zwischen theoretischem Anspruch und dem, was praktisch in der knappen Zeit davon umgesetzt werden kann. Da würde ich mir von der Pflegewissenschaft wünschen, dass sie realistische Zeit- und Personalberechnungen für jede Standard-Umsetzung vorlegt und einfordert - statt der x-ten neuen Pflegetheorie“, kann ich nur vollends unterstützen. --Kurt Wanka 10:14, 20. Jan. 2009 (UTC)
"Das Image der Pflegeberufe in der Öffentlichkeit verschlechtert sich seit Jahren kontinuierlich. Die großen physischen und psychischen Belastungen im Berufsalltag, der dramatisch niedrige Personalschlüssel in allen Einrichtungen und die vergleichsweise schlechte Bezahlung machen den Beruf für gute Schulabgänger unattraktiv. Eine berufliche Perspektive stellt man sich anders vor. Es gibt immer mehr Eltern, die ihren Kindern sogar verbieten, einen pflegerischen Beruf zu wählen. Dabei sinkt nicht nur die Zahl der möglichen Bewerber wegen der fallenden Geburtenzahlen, der Bedarf an professioneller Pflege steigt kontinuierlich an. Gleichzeitig führen die miserablen Arbeitsbedingungen dazu, dass viele Pflegefachkräfte krank, ausgebrannt und enttäuscht ihren Beruf verlassen. Eine aktuelle Umfrage des DBfK zur Situation im Pflegealltag zeigt erschreckende erste Ergebnisse. Insgesamt eine höchst bedrohliche Entwicklung, die umgehendes politisches Handeln und vorausschauende Strategien erforde." Mehr dazu: "Arbeitsbedingungen in der Pflege unattraktiv für Schulabgänger", in AnInt.de (K.W.)