Chirurgische Händedesinfektion

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Die chirurgische Händedesinfektion ist eine Maßnahme zur Verringerung der Keimbesiedelung an Händen und Unterarmen,die vom Operationspersonal vor allen invasiven Eingriffen durchzuführen ist. Mit Hilfe keimabtötender und -reduzierender Substanzen, mit denen die Hände und Unterarme eingerieben werden, werden transiente (vorübergehend auf der Haut befindliche) und residente (stets auf der Haut angesiedelte) Keime zerstört, abgeschwächt oder in der Ausbreitung gehemmt.
Dadurch wird das Risiko einer möglichen Infizierung des Patienten während der Operation deutlich verringert.

Bedingungen[Bearbeiten]

  • Fingernägel sind kurz und rund geschnitten.
  • Es dürfen keine Nagelbettverletzungen oder entzündliche Prozesse vorhanden sein.
  • Das Bürsten der Hände und Unterarme soll wegen Hautirritationen und erhöhter Keimabgabe unterbleiben.
  • Zum Entnehmen von Waschlotion und Händedesinfektionsmittel sind die Wandspender mit dem Ellenbogen zu bedienen. Armaturen und Spender nicht über Handkontakt bedienen.

Durchführung[Bearbeiten]

Die chirurgische Händedesinfektion wird vor jedem operativen Eingriff vom instrumentierenden Pflegepersonal sowie von den beteiligten Ärzten durchgeführt.

Waschphase[Bearbeiten]

Da es weder experimentelle noch epidemiologische Daten zum Nutzen der Waschphase ohne Bürstenanwendung für das Gesamtergebnis der chirurgischen Händedesinfektion gibt, wird die Waschphase bei optisch sauberen Händen nicht mehr generell als erforderlich angesehen.[1] Wegen der möglichen Kontamination mit Bakteriensporen empfiehlt das Robert-Koch-Institut aber, vor der am OP-Tag erstmalig durchgeführten chirurgischen Händedesinfektion die Hände und Unterarme bis zum Ellenbogen mit einem Handwaschpräparat etwa 1 Minute zu waschen:

  • Benetzen der Hände und Unterarme mit handwarmem Wasser (zu warmes Wasser schädigt die Haut).
  • Etwa 5 ml Seifenlösung aus dem Spender (Bedienung mit dem Ellenbogen) auf die Hand geben, auf Hände und Unterarme verteilen und aufschäumen.
  • nur bei starker Verschmutzung Fingernägel mit sterilisiertem Nagelreiniger reinigen.
  • Gründliches Abspülen der Hände (Seifenreste schädigen die Haut nachhaltig).
  • Gründliches Abtrocknen der Hände und Unterarme mit Einweghandtuch.

Desinfektion[Bearbeiten]

  • Auf den trockenen Händen und Unterarmen für die Dauer von mindestens 1 bis 3 Minuten (Herstellerangaben beachten) ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel in mehreren Portionen (mindestens 2 x 5 ml) verteilen und einreiben. Dabei anfangs bis zum Ellbogen arbeiten und am Schluss nur noch die Hände einreiben. Über die gesamte Einwirkzeit bleibt die Haut vom Desinfektionsmittel gut angefeuchtet.

Anschließend werden die Hände noch etwa 1 Minute an der Luft getrocknet, was die Perforationsgefahr der Handschuhe verringert, das Hautirritationsrisiko mindert und eine signifikante Wirkungsverbesserung aufweist.[2]

Bei einem nachfolgendem Eingriff oder einer Eingriffdauer unter 30 Minuten wird für die Zwischendesinfektion 1 Minute benötigt.

Nach dem Ablegen der Handschuhe wird eine hygienische Händedesinfektion mit anschließender Handwaschung durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Th. Bernig: Vergleich der Hautverträglichkeit von sechs ausgewählten alkoholischen Händedesinfektionsmitteln im klinischen Doppelblindversuch anhand der subjektiven Akzeptanz und der Bestimmung objektiver Hautparameter. Diss Med Fak Univ Greifswald 1997.
  • Europeaen Standard EN 1499: Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika, Desinfizierende Händewaschung, Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2/Stufe 2) 1998.
  • Hygiene & Medizin 28.Jg. 2003, Heft 4; S. 129-133
  • Hygiene in Klinik und Praxis, 3. Auflage, mhp-Verlag, Wiesbaden 2004, S. 182ff
  • H. Rudolph, M. Hilbert, V. Studtmann: Händehygiene bei Operationen. In: J. Sander J (Hrsg): Händehygiene in der Medizin. Ronnenberg, J. S.-Verlag, Berlin, Heidelberg. 1996; S. 191-212.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Prävention postoperativer Infektionen im Operationsgebiet. RKI 2007, S. 384
  2. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut 2007, S.384