Buddhismus

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Der Buddhismus wurde etwa im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung durch Siddharta Gautama (Ehrentitel Buddha) in Nordindien begründet und zählt neben Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum zu den fünf Weltreligionen.

Da im Krankenhaus heutzutage Patienten mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit betreut werden, ist es sicher hilfreich, wenn Pflegekräfte zumindest die Grundzüge und Grundaussagen der Weltreligionen kennen.

Stupa Swayambhunath, Nepal

Entstehung/Entstehungslegende[Bearbeiten]

Der Religionsstifter Siddharta Gautama (Ehrentitel Buddha=der Erwachte, der Erleuchtete) wurde etwa 560 vor Chr. als Prinz im heutigen Nepal geboren und lebte in Reichtum und Sorglosigkeit. (Die neuere Forschung spekuliert auch über eine etwa 100 Jahre spätere Geburt) Er war mit seiner Kusine Yashodhara verheiratet, mit der er einen Sohn hatte. Er verlor gemäß der Legende seine Sorglosigkeit, als er den Palast verließ und mit dem Leid des alltäglichen Lebens, Armut, Krankheit, Schmerz, Tod in Kontakt kam. Das Thema ließ ihm keiner Ruhe, er beschloss eine Lösung zu finden und machte sich auf, um in Askese zu leben. Als er nach 7 Jahren auf dem Weg der Askese und Züchtigung und nach Unterweisungen durch mehrere Meditationslehrer nicht weiterkam, gab er die strenge Askese auf.

Buddha Statue, Nepal (Swayambhunath)

Die Erleuchtung fand er der Legende gemäß nach weiterer stiller innerer Meditation und der Abwehr der Dämonen des Mara, die ihn aus der Versenkung reißen wollten, schließlich in der indischen Stadt Bodhgaya unter einem Bodhibaum (Feigenbaum, Bodhi=Erleuchtung). Er hatte den Weg der Mitte gefunden, den sogn. Mittleren Pfad, in dem alle Extreme vermieden werden sollen. Fünf Asketen, die ihn nach der Abwendung von der Askese verlassen hatten, wurden seine ersten Schüler, mit denen er den Samgha-Orden gründete. Später kam noch ein Nonnenorden dazu. Die Überlieferung der Lehre erfolgte mündlich, erst ab dem 1. Jahrhundert vor Chr. auch schriftlich. Die Begebenheiten wurden später mit weiteren Legenden noch ausgeschmückt.

Hauptrichtungen[Bearbeiten]

Reines Land[Bearbeiten]

In China sehr verbreitet. Für praktizierende Patienten könnte die Möglichkeit, Andachtsübungen und Mantra-Rezitationen durchzuführen, eine Rolle spielen.

Hinayana ("Kleines Fahrzeug")/Theravada[Bearbeiten]

Von den ursprünglich achtzehn Schulrichtungen des Hinayana hat nur die Theravadaschule bis heute überdauert. Vor allem in Sri Lanka und Südostasien, aber auch im Westen verbreitet. Mit Theravada werden hauptsächlich gelb gekleidete Mönche assoziert. Meditation, Gesänge und Blütenopfer. Die Lehre gründet auf dem sogn. Pali-Kanon, den vier edlen Wahrheiten und dem edlen achtfachen Pfad.

Mahayana ("Großes Fahrzeug")[Bearbeiten]

Große Anzahl von Kulten und Riten und weite Verbreitung. China, Korea, Japan. Vorstellung, dass bereits erleuchtete als sogn. Bodhisattva wiederkehren, um anderen selbstlos auf ihrem Weg zu helfen.

Vajrayana/Tibetischer Buddhismus[Bearbeiten]

Sonderform des Mahayana. Geistiges Oberhaupt ist der Dalai Lama. Wird im Westen auch als Lamaismus bezeichnet und ist vor allem in Tibet, Nepal, Nordost-Indien, Butan und in der Mongolei verbreitet. Rezitieren von Texten, Gebete und Meditation können für praktizierende Patienten von Bedeutung sein.

Um möglichst schnell allen Wesen helfen zu können, genügt es nicht mehr, den Bodhicitta (Erleuchtungsgeist) zu erzeugen und sich sehr lange Zeit zu lassen, bis man die Erleuchtung erlangt, wie auf dem Bodhisattvapfad. Getrieben vom besonders grossem Mitgefühl übt man sich mit speziellen Methoden, die das Resultat vorwegnehmen, die spezielle Gegegebenheiten des menschlichen Körpers ausnützen. Man übt sich in Kriya, Charya, Yoga oder Anuttara Yogatantra. Das Letztere kennt zwei Teile, die Erzeugungs - und Vollendungsstufe. Das Anuttara Yogatantrasystem setzt sich zum Ziel, die Erleuchtung während eines einzigen menschlichen Lebens zu erlangen. Die Anhänger glauben, dass man in den unteren Klassen darauf angewiesen ist, spezielle Fähigkeiten zu erlangen, wie etwa extrem langes Leben, oder die Fähigkeit, zu anderen Buddhawelten zu reisen, um direkt Belehrungen zu erhalten.

Zen-Buddhismus[Bearbeiten]

Besonders in China und Japan verbreitet, aber auch im Westen aufstrebend. In China unter dem Einfluss des Dao (chin. Philosophie) entstanden. Beeinflusste in Japan weitere Künste wie Teezeremonie, Kaligraphie (Schönschreibkunst), Ikebana (Blumensteckkunst), Bogenschießen, Kampfkünste und Schwertkampf. Geht davon aus, dass der Mensch bereits im Besitz der Buddha-Natur sei und diese nur wiederentdecken müsse. Die Lehre ist schwer in Sprache zu fassen, sondern soll direkt erfahren werden. Hierzu dient z.B. die Sitzmeditation (Zazen), die auch für praktizierende Patienten eine Rolle spielen könnte. Hier ist vor allem dafür Sorge zu tragen, dass Zeit für eine ungestörte Meditation zur Verfügung gestellt wird, Z.B. Nicht Stören Schild an der Tür, keine Besucher.

Altar mit Buddha Statue, Nepal (Kirtipur)

Lehre[Bearbeiten]

Der Mensch befindet sich in einem Kreislauf aus Werden, Sein und Vergehen und stetiger Wiederkehr. Die Wiedergeburten werden Reinkarnation genannt. In den Leben wird nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung gutes oder schlechtes Karma angesammelt, das sich auf das weitere Leben und auf die Reinkanationen, also zukünftige Leben auswirkt. Leben ist mit Leiden behaftet. Ziel ist es, dem leidbehafteten Kreislauf der Wiedergeburten zu entkommen (Nirvana).

Die vier edlen Wahrheiten[Bearbeiten]

Je nach Übersetzung variert der genaue Wortlaut:

  • Alles Leben ist Leidvoll
  • Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung
  • Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
  • Der Weg dazu besteht im edlen achtfachen Pfad

Der edle achtfache Pfad[Bearbeiten]

1) Rechte Ansicht, 2) Rechter Entschluss, 3) Rechtes Reden, 4) Rechtes Handeln, 5) Rechtes leben, 6) Rechtes Streben, 7) Rechte Achtsamkeit, 8) Rechte Meditatoin

Umgang mit Buddhisten im Krankenhaus[Bearbeiten]

Waschen und kleiden: Die Füße gelten als Gegenstück des Kopfes und werden in Asien oft als unrein bezeichnet. Deshalb möchten Buddhisten, falls sie eine Buddhastatue oder ein Bildnis des Buddhas im Zimmer haben nicht so schlafen, das sie mit den Füssen darauf zeigen. Buddhisten der östlichen Länder legen Wert auf gleichgeschlechtliche Pflege (weibliche BW werden von weiblichen Pflegepersonal gepflegt, bei Männer von männlichen Pflegepersonal) Im westlichen Buddhismus ist das nicht so strikt, aber es sollte vorher mit dem BW abgesprochen werden. Essen und trinken: Grundsätzlich wird im Buddhismus geraten, nicht übermassig viel zu essen, da dies Trägheit und Faulheit hervorrufen kann und der Gesundheit schade. Einige Buddhisten meiden Fleisch, Alkohol, manche auch Knoblauch und Zwiebeln. Auf keinen Fall darf ein Tier unmittelbar für eine Mahlzeit getötet werden. Es sollte von den Pflegenden geklärt werden, was der jeweilige Buddhist an speziellen Wünschen im Bezug auf Essen und Trinken hat. Sinn finden: Dem BW sollte es ermöglicht werden, seine Religion nach eigenem Ermessen und eigenen Bedürfnissen ausführen zu können, z.B. das Zimmer nach seinen Wünschen einzurichten. Dazu kann ein kleiner "Altar" gehören, vor dem Der BW seine Meditation durchführen kann und auf dem er Buddhastatuen aufstellen kann. Allgemeines: Buddhisten sehen es nicht gerne, wenn Tiere getötet werden( z.B. nach Möglichkeit keine Insekten töten in Gegenwart von Buddhisten, sondern fangen und ins Freie setzen).

Buddhismus und sterben[Bearbeiten]

Nach buddhistischer Vorstellung ist der Mensch in einen Kreislauf aus Werden, Sein und Vergehen eingebunden. "Leben heißt Leiden" (Buddha). Dem Kreislauf der ewigen Wiederkehr (Wiedergeburt) kann nur entfliehen, wer nicht dem Leben und der Materie verhaftet ist. In sofern gewinnt der Tod eine ganz eigene Bedeutung. Je nach buddhistischer Tradition können Gebete und Rezitations-Meditationen (Puja) oder Sutra-Lektüre (Buddhistische Unterweisungen, entfernt mit der Bibel vergleichbar) erwünscht sein. Angehörige sind sicher gern bereit, dem Pflegepersonal mit diesbezüglichen Texten behilflich zu sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schnellkurs Buddhismus, DuMont, Frank Rainer Scheck, Manfred Görgens, ISBN 3-8321-3601-0, bietet einen guten und objektiven Einstieg in das Thema
  • Hesse, Hermann: "Siddhartha", Surkamp-Taschenbuch 2931, ISBN 3-518-39431-2

Weblinks[Bearbeiten]