Boerhaave-Syndrom
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Als Boerhaave-Syndrom wird ein seltenes Krankheitsbild bezeichnet, das bei einer spontanen Ösophagusruptur, einem Riss aller Wandschichten der Speiseröhre (Oesophagus), auftritt. Es wurde 1724 erstmalig von Hermann Boerhaave beschrieben.[1]
Das Boerhaave-Syndrom entsteht infolge eines plötzlichen und starken intraösophagealen Druckanstiegs hauptsächlich infolge massiven Erbrechens. Das Auftreten eines Boerhaave-Syndroms stellt eine Notfallsituation dar. Die sofortige operative Versorgung der Ruptur stellt mit Abstand die wichtigste Therapieoption dar. Die unbehandelte spontane Ösophagusruptur hat eine Sterblichkeit von über 90 Prozent.[2]
Das Boerhaave-Syndrom wird abgegrenzt vom Mallory-Weiss-Syndrom, bei dem es zu einer Perforation der Schleimhaut am Übergang von Speiseröhre und Magen kommt, sowie von iatrogen und traumatisch bedingten Ösopahgusperforationen.
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[Bearbeiten] Häufigkeit
Das Boerhaave-Syndrom ist eine sehr seltene Erkrankung, zu der es nur wenige epidemiologische Daten gibt. Bis 1990 wurden weltweit insgesamt etwa 900 Fälle in der medizinischen Fachliteratur festgehalten.[3] Etwa 10 bis 15 Prozent aller Ösophagusperforationen gehen auf dieses Syndrom zurück.[2] Es gibt eine deutliche Bevorzugung des männlichen Geschlechts, was auf den erhöhten Anteil von Männern mit Alkoholproblemen zurückzuführen ist. In etwa 80 Prozent der Fälle erleiden Männer ein Boerhaave-Syndrom. Der Altersgipfel liegt zwischen 20 und 40 Jahren und macht etwa zwei Drittel der Fälle aus. Das Boerhaave-Syndrom kommt seltener auch bei Kindern, vor allem bei Neugeborenen, vor.[4]
[Bearbeiten] Ursachen und Pathogenese
Das Boerhaave-Syndrom entsteht in der Regel durch einen plötzlichen und starken sowie unerwartenden Druckanstieg im Ösophagus bei gleichzeitig negativen Druck innerhalb des Brustkorbs (intrathorakaler Druck).[5] Die Geschwindigkeit des Druckanstiegs spielt vermutlich eine wichtigere Rolle als die absolute Höhe des Druckanstiegs.[6] In experimentellen Untersuchungen an Speiseröhren von Leichen wurde ermittelt, dass es bei plötzlichen Druckanstiegen von 150 bis 200 mmHG zu einer Perforation der Speiseröhre im unteren (distalen Drittel) der Speiseröhre kommt. [7] Die meisten Perforationen - über 90 Prozent - sind im unteren (distalen) Drittel der Speiseröhre dorsolateral (links hinten) lokalisiert [6], da hier anatomisch der geringste muskuläre Widerstand besteht.[3]
Der spontanen Ösophagusperforation geht in den meisten Fällen massives Erbrechen voraus. Sie wird daher auch als emetogene Ösophagusperforation bezeichnet.[7] Über weitere Ursachen gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben. Neben dem Erbrechen werden auch starkes Pressen und starke körperliche Anstrengung als mögliche Ursachen angesehen.[4].
Die spontane Ösophagusperforation kann durch eine Vielzahl von Erkrankungen wie eine Ösophagitis und gastroösophageale Refluxkrankheit begünstigt werden. Ein chronischer Alkoholabusus gilt als wichtigster prädisponierender Faktor.
[Bearbeiten] Klinik
Die klassische Symptomtrias (sog. Mackler-Trias) besteht aus
- explosionsartigem Erbrechen
- starken retrosternalen Schmerzen (Vernichtungsschmerz)
- Hautemphysem bzw. Mediastinalemphysem.
Weitere Symptome sind
- Bluterbrechen (Hämatemesis),
- Luftnot (Dyspnoe),
- Sauerstoffmangel (Zyanose) und
- Schockzeichen (Blutdruckabfall, kaltschweissige Haut).
[Bearbeiten] Diagnose
In Röntgenaufnahmen zeigen sich als Zeichen des Luftaustrittes Luftsicheln unter beiden Zwerchfellkuppeln bzw. Luftaustritt ins Mediastinum.
Folgende Nachfolgeuntersuchungen können im Rahmen der Diagnostik sinnvoll sein:
- Ösophagographie: Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung in verschiedenen Ebenen zum Nachweis eines Risses durch Kontrastmittelaustritt ins Mediastinum (risikoärmer)
- Ösophagoskopie: Speiseröhrenspiegelung als endoskopische, diagnostische und unter günstigen Umständen auch therapeutische Methode durch direkte Naht des Risses. Die Ösophagoskopie birgt als Komplikation die Gefahr der Ausdehnung des Risses durch den Eingriff.
[Bearbeiten] Differentialdiagnosen
- Ösophagusvarizen-Blutung
- Spontanpneumothorax
- Herzinfarkt
- Aortendissektion (durch Aneurysma)
- Ulkusperforation
- akute Pankreatitis
- inkarzerierte Hiatushernie bzw. Zwerchfellhernie
[Bearbeiten] Therapie
Über eine Thorakotomie - oder bei tieferen Läsionen eine Laparoskopie - wird der Defekt genäht und die Naht eventuell durch plastische Deckung mit Gewebe aus der Nähe (z. B. Omentum majus, Pleura, Diaphragma) gedeckt und stabilisiert.
Als begleitende Therapie ist prä- und postoperativ eine Breitspektrumantibiose einzuleiten. Eine intensivmedizinische Überwachung ist erforderlich.
[Bearbeiten] Prognose
Die Letalität (Tödlichkeit) beim Boerhaave-Syndrom beträgt etwa 20-40%.
[Bearbeiten] Weblinks
- Das Boerhaave-Syndrom bei Wikipedia