Barthel-Index

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Der Barthel-Index stammt von Mahoney und Barthel; er wurde 1965 zuerst beschrieben. Abkürzungen: Barthel oder BI.

Im Rahmen der Pflegeanamnese werden zur Klärung der Selbständigkeit in Alltagsaktivitäten häufig ähnliche Fragen verwendet (aut idem).

Der Multimorbidität und den oft sehr komplexen Krankheitsbildern älterer Patienten, den Alterssyndromen, steht immer wieder die Forderung nach einem möglichst einfachen, wenig zeitaufwendigen diagnostischen Verfahren gegenüber, damit dieses auch in der allgemeinen Arztpraxis bei möglichst vielen Personen durchgeführt werden kann und die Patienten nicht zu sehr belastet werden.

Wer an sich die Unfähigkeit bemerkt, seinen Haushalt zu führen oder alltägliche Spaziergänge sicher durchzuführen, erlebt dies als gravierende Einschränkungen im Alter. Dies wird sich zwangsläufig auf das gesamte Verhalten und Erleben der alten Person auswirken. In der Pflege ist die Aufgabe zur Beratung von kranken Personen unumstritten. Diese Beratung setzt aber erst einmal die Kenntnis von einem Zustand voraus, der Prävention oder Prophylaxe oder eigenes Tätigwerden (nach der Beratung) sinnvoll erscheinen läßt.

Im geriatrischen Assessment wird in einem ersten Schritt (Screening) gefragt (mittels Fragebogen) ob Einschränkungen z. B. beim Sehen und Hören, Beweglichkeit oder Ernährung, beim emotionalen Befinden oder in der sozialen Unterstützung auftreten.

Sind Problembereiche vorhanden, sollte ein umfassenderes Basis-Assessment als zweiter Schritt folgen. Auch hierfür ist der Zeitaufwand gut überschaubar - ca. 45-60 Min.


In diese Testreihe gehört der Barthel-Index. Seine Aussagen können zwar allein betrachtet werden, gewinnen aber vor dem Hintergrund der unklaren Genese von Alterssyndromen ein anderes diagnostische Gewicht, wenn alle Test berücksichtigt werden können. Außerdem ist er ein häufig eingesetzter Indikator für Rehabilitationserfolge.

Er überprüft: Selbständigkeit bei den ATL, Beweglichkeit beim Waschen, Transfer, Toilettenbenützung, Treppen, außer Haus. Er fragt nicht nach der maximalen Leistungsfähigkeit bei fremder Unterstützung sondern der ausgeübten Praxis. 10 Unterpunkte.

Das Ergebnis gibt Hinweise auf: Unterstützungsbedarf bei ATL, Hinweise für Ergo- und Rehabil.-Ziele, fehlende Hilfsmittel

Zeitaufwand: ca. 5 - 10 Min. Falls Pflegekraft bereits vorhanden auch diese befragen.

Materialien: Formular, Schreibmöglichkeit

Auswertung: Maximal 100 Punkte, ordinal skaliert. Auch bei hohen Punktezahlen kann ein partieller Hilfsbedarf vorliegen.

Testgüte: Zahlreiche Untersuchungen für gute bis sehr gute Validität, Sensitivität, Reliabilität.


Genaue Anweisungen und ein Muster findet sich bei AGAST (1997) im Anhang - siehe Literatur.


Erfragte/beob. Fähigkeiten[Bearbeiten]

Nach der folgenden Tabelle werden für alle angegebenen Fähigkeiten zwischen 0 und 5 bzw. 10 Punkte verteilt. Zwischenabstufungen sind nicht vorgesehen.

Item mögliche Punktzahl
Punkte für... vo.Übern. , Anltg. , Selbständ.
Essen und Trinken 0, 5, 10
Baden/Duschen 0, 5
Körperpflege 0, 5
An- und Ausziehen 0, 5, 10
Stuhlkontrolle 0, 5, 10
Harnkontrolle 0, 5, 10
Benutzung der Toilette 0, 5, 10
Bett- / Stuhltransfer 0, 5, 10, 15
Gehen bzw. selbstständ. Fahren mit Rollstuhl 0, 5, 10, 15
Treppen steigen 0, 5, 10

Insgesamt lässt sich sagen, dass hier vor allem Basisfähigkeiten beurteilt werden. Sie sind einer Fremdbeobachtung auch leicht zugänglich.

siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe Geriatrisches Assessment AGAST (1997): Geriatrisches Basisassessment. Red.: M. Bach u. a. - 2., aktualisierte Aufl - München, MMV(Schriftenreihe Geriatrie-Praxis). 63 Seiten, Neuauflage Urban & Vogel, 2002. ISBN 3-8208-1309-8. S. 21 - 28.
  • Mahoney FI, Barthel D: Functional evaluation: The Barthel Index. Maryland State Medical Journal 1965;14:56-61.
  • Schönle PW: Der Frühreha-Barthel-Index (FRB; eine auf Frührehabilitation orientierte Erweiterung des Barthel-index. Rehabilitation 1995;34:69-73)

Weblinks[Bearbeiten]