Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin

Aus PflegeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
lernende Pflegeschülerinnen

Die Ausbildung zum/zur Gesundheits- und Krankenpfleger(in) wird durch das Krankenpflegegesetz von 2003 (KrPflG) geregelt. In der aufgrund des KrPflG erlassenenen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege sind die Mindestanforderungen an die Ausbildungen sowie das Nähere über die staatlichen Prüfungen und die Urkunden für die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung geregelt.

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung gliedert die Ausbildung zum/zur Gesundheits- und Krankenpfleger(in) in 2100 Theorie- und 2500 Praxisstunden. Sie wird an staatlichen Krankenpflegeschulen durchgeführt, die mit einem oder mehreren Krankenhäusern verbunden sind und deren Leitung über ein abgeschlossenes Hochschulstudium verfügen muss. Die Ausbildung endet mit der staatlichen Prüfung. Nach bestandener Prüfung wird die Erlaubnis zum Führen der Berufbezeichnung erteilt, wenn auch die weiteren Voraussetzungen dafür erfüllt sind.[1]

Integrierte Ausbildungen werden möglich, in denen die Auszubildende sich nach einer Orientierungsphase für eine Spezialisierung in Richtung Gesundheits- und Krankenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder Altenpflege entscheiden können - ein erster Schritt in Richtung generalistische Pflegeausbildung. Das Mindestalter für Auszubildende ist weggefallen.

Voraussetzung[Bearbeiten]

Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung sind:

  • Gesundheitliche Eignung und
  • Realschulabschluss oder eine andere gleichwertige, abgeschlossene Schulbildung oder
  • der erfolgreiche Abschluss einer sonstigen zehnjährigen allgemeinen Schulausbildung oder
  • der Hauptschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung, zusammen mit
    • einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung mit einer vorgesehenen Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren oder
    • einer Erlaubnis als Krankenpflegehelfer oder einer erfolgreich abgeschlossenen landesrechtlich geregelten Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe

Die zuständige Behörde kann auf Antrag eine andere Ausbildung entsprechend ihrer Gleichwertigkeit bis zu zwei Dritteln der Gesamtstunden der Ausbildung anrechnen.

Neben diesen rechtlichen Voraussetzungen gibt es auch persönliche und psychologische Voraussetzungen, welche beachtet werden sollten. Bis auf wenige Ausnahmen arbeitet man als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Schichtdienst. Das bedeutet Früh-, Spät- und Nachtschichten sowie regelmäßige Wochenendarbeit. Man sollte keine Allergien auf Latexprodukte oder Desinfektionsmittel haben. Außerdem sollte man keine Probleme mit der Wirbelsäule haben, da man Patienten regelmäßig lagern muss. Viele Ausbildungsbetriebe verlangen ein Gesundheitszeugnis von einem Arzt. Auch psychologisch sollte man vorbereitet sein, da man es oft mit kranken und sterbenden Menschen zu hat. Nicht jeder ist dieser Situation gewachsen. Schließlich sollte man in der Lage sein, Blut zu sehen.[2]

Ausbildungsinhalt[Bearbeiten]

Die Rechtsgrundlagen für die Ausbildung sind in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege (KrPflAPrV) enthalten.[3]

Der Unterricht orientiert sich vermehrt an fächerübergreifenden Lernfeldern. Der Lehrstoff wird auch in Lernbereichen wie Anatomie, Chirurgie, Innere Medizin etc. vermehrt durch Lehrer für Pflegeberufe durchgeführt, externe ärztliche Dozenten verlieren hier an Bedeutung.

Theoretischer und praktischer Unterricht[Bearbeiten]

Die Ausbildung enthält theoretischen und praktischen Unterricht an der Krankenpflegeschule. Unterrichtet wird unter anderem

  • Aufbau des menschlichen Körpers und Ablauf der verschiedenen Körperfunktionen
  • Erste Hilfe bei Notfällen
  • Patientenbeobachtung und Befunddokumentation
  • Erstellung von Pflegeplänen und -dokumentationen
  • Patientenaufnahme, Verlegung und Entlassung
  • Krankheiten und ihre Ursachen, Vorbeugung von Krankheiten, Diagnostik und Behandlung
  • Untersuchungs- und Operationsvorbereitung und Nachsorge
  • Umgang mit Krisen- und Konfliktsituationen
  • Assistenz und Begleitung bei ärztlichen Maßnahmen, Operationen und Visiten
  • Pflegetechniken und ihre Anwendung (zum Beispiel Wundversorgung, Injektionen, Infusionen)
  • Ermittlung des Pflegebedarfs
  • Durchführung alters- und situationsgerechter Pflegemaßnahmen
  • Kommunikation und Interaktion mit Patienten im Rahmen der pflegerischen Beziehung
  • Einbeziehung des sozialen Umfelds der zu pflegenden Person sowie deren interkulturelle, religiöse und ethische Faktoren
  • Überblick über Angebote und Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge, Hilfen und Begleitung
  • Mitwirkung an der Umsetzung von Rehabilitationskonzepten
  • Entwicklung und Umsetzung von Qualitätskonzepten
  • Rechtliche Rahmenbestimmungen in der Krankenpflege

Praktische Ausbildung[Bearbeiten]

Die praktische Ausbildung wird an einem Krankenhaus oder mehreren Krankenhäusern und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie weiteren an der Ausbildung beteiligten, geeigneten Einrichtungen, insbesondere stationären Pflegeeinrichtungen oder Rehabilitationseinrichtungen, durchgeführt. Praxiseinsätze finden größtenteils auf verschiedenen Stationen und Funktionsabteilungen des angeschlossenen Krankenhauses statt, aber auch in auswärtigen Einrichtungen (z.B. Sozialstation, Psychiatrie). Dabei werden die Schüler von Praxisanleitern begleitet. Diese müssen über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und über eine berufspädagogische Zusatzausbildung im Umfang von mindestens 200 Stunden verfügen.

Im "allgemeinen Bereich", in dem Gesundheits- und Krankenpflegeschüler gemeinsam mit Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerschülern unterrichtet werden, erwerben die Schüler praktische Erfahrungen in der Gesundheits- und Krankenpflege von Menschen aller Altersgruppen in der stationären Versorgung in den kurativen Gebieten: Innere Medizin, Geriatrie, Neurologie, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Wochen- und „“Neugeborenenpflege. In mindestens zwei dieser Fächer findet ein Einsatz in präventiven, rehabilitativen und palliativen Gebieten der ambulanten Versorgung statt.

Im "Differenzierungsbereich" erwerben Gesundheits- und Krankenpflegeschüler vertiefte Kenntnisse der stationären Versorgung in den Fächern Innere Medizin, Chirurgie und Psychiatrie.

Erwerb von Zusatzqualifikationen[Bearbeiten]

Je nach Angebot der einzelnen Schulen werden Zusatzkenntnisse vermittelt, die den Erwerb der Fachhochschulreife ermöglichen.

Pflichten des Ausbildungsträgers[Bearbeiten]

Der Träger der Ausbildung ist unter anderem dazu verpflichtet dafür zu sorgen, dass den Schülern nur Verrichtungen übertragen werden, „die dem Ausbildungszweck und dem Ausbildungsstand entsprechen; sie sollen ihren physischen und psychischen Kräften angemessen sein.“[4]

Fehlzeiten[Bearbeiten]

Die Fehlzeiten während der Ausbildung dürfen höchstens 10 Prozent der Stunden des Unterrichts sowie bis zu 10 Prozent der Stunden der praktischen Ausbildung betragen. Die Unterbrechung der Ausbildung darf einschließlich der Fehlzeiten eine Gesamtdauer von 14 Wochen nicht überschreiten (beispielsweise bei Schwangerschaft ist damit die Mutterschutzzeit enthalten). Ausnahmen in besonderen Härtefällen können auf Antrag genehmigt werden.[5]

Ausbildung in Österreich[Bearbeiten]

Die Ausbildung in Österreich orientiert sich sehr stark an der der Deutschen. Es gibt eigene Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege, für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege sowie Schulen für Kinder- und Jugendlichenpflege bzw. auch ineinander vereinte.

Der Besuch solch einer Schule ist in den meisten Bundesländern erst nach erfolgtem positiven schriftlichen Aufnahmetest sowie eines mündlichen gruppenorientierten Assessments möglich. Manche Bundesländer erlauben eine Aufnahme auch nur mit erfolgreich absolvierter Matura, da diese Schulen ein "höheres Niveau" anstreben wollen (so wie Amerika, wo man Pflege studieren muss).

Die Ausbildung zum diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger (DGKP/DGKS), zum dipl. psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpfleger (DPGKP/DPGKS) oder zum dipl. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger (DGKKP/DGKKS) dauert in der Regel bei positivem Bestehen jedes Schuljahres 3 Jahre. Abschlusszeugnis ist ein Zertifikat (Diplom).

Die Unterrichtsfächer reichen von Erster Hilfe bis hin zu Antatomie und Physiologie über Pharmakologie bis hin zur Pflege im Alter/in der Jugend/in der Demenz.

Theoretische und praktische Grundkenntnisse werden in der Schule vermittelt und danach mittels theoretischer und praktischer Prüfungen wiederholt. In eigenen Praktika dürfen Krankenpflegeschüler ihr erlerntes Wissen nach erfolgreich bestandenen Prüfungen in die Praxis umsetzen und am "richtigen" Patienten arbeiten und ihr Wissen vertiefen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Henke, Friedhelm: Nachweisheft der praktischen Ausbildung für die Gesundheits- und Krankenpflege. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-018345-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege (Krankenpflegegesetz - KrPflG) vom 16.07.2003, zuletzt geändert durch Art. 35 G v. 6.12.2011 I 2515; § 2
  2. Persönliche und Psychologische Voraussetzungen
  3. Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege
  4. Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege, § 10 (2)
  5. Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege, § 7