Antidekubitusmatratze

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Allgemeines[Bearbeiten]

Antidekubitusmatratzen und Matratzenauflagen dienen zur Druckentlastung des Gewebes. Viele Hersteller bieten unterschiedliche Systeme an. Der Auflagedruck soll dabei auf möglichst viele Quadratzentimeter verteilt werden. Grundsätzlich kann eine Antidekubitusmatratze eine regelmäßige Lagerung des Patienten NICHT ersetzen! Außerdem gilt das Prinzip sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch: Mobilisation vor Lagerung! Druckstellen oder Dekubitus entstehen im Generellen auf Grund eines zu großen Drucks auf bestimmte Hautstellen, verstärkt durch Reibung oder Scherkräfte. Dieser durch eine ungleiche Körpergewichtsverteilung auf der Matratze entstehende Überdruck klemmt die Blutgefäße ab, verhindert die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Epithelium und subkutanen Gewebes und bedingt das Absterben größerer Zellhaufen, Grind und Wundauflage. Zuviel Wärme und Feuchtigkeit verschlimmern die Druckstellen. Die Unterlage des Patienten muss in jedem Falle für eine gute Feuchte- und Wärmeableitung sorgen.

Die adäquate Matratzenlösung zur Prophylaxe bzw. zum Kurieren von Dekubitalulcera hängt entscheidend vom Patienten selbst ab und nicht vom Grad des Dekubitus! Ist der Patient mobil? Inwieweit läßt er sich mobilisieren und somit druckentlasten? Wie hoch ist das Risiko des Patienten, einen Dekubitus zu bekommen? Risikoeinschätzung, ob ein Dekubitus entstehen kann mithilfe von Skalen wie: Norton-Skala, Braden-Skala, Waterlow-Skala). Wie ist der Ernährungszustand und Flüssigkeitszustand des Patienten? Hat der Patient eine systemische Erkrankung (Tumore; Diabetes mellitus mit Neuropathien; venöse oder arterielle Durchblutungsstörungen..)? Wichtig ist, derartige Erkrankungen adäquat zu behandeln. Wie ist die Haut des Betroffenen (trocken?...eincremen mit W/O-Emulsion und ggf. Urea=Harnstoff)? Kinästhetisches Vorgehen verhindert Scherkräfte! Scherkräfte in jedem Fall vermeiden. Man muß bedenken, dass Antidekubitusmatzratzen auch Nachteile haben:

  • Verlust des Körperbildes
  • Erhöhung der Spastizität bei Spastikern
  • Kontraindikation einer Antidekubitusmatratze:
    • Apoplektiker in der Akutphase! - Vorgehen nach Bobath ist hier angezeigt!
    • Patienten mit spastischer Lähmung eignen sich oftmals nicht für diese Matratzen, da die Spastizität dann oft zunimmt.

Bei gefährdeten Klienten zur Prophylaxe und in jedem Dekubitus-Stadium eines Patienten empfiehlt es sich, druckmindernde Matratzen/Weichlagerungssysteme einzusetzen.

Systeme und Methoden der Antidekubitusmatratzen[Bearbeiten]

Eine signifikant druckentlastende Wirkung von bis zu 53,8% bescheinigt das Ergonomie Institut München, Dr. Heidinger.. GmbH, einer neuen fellartigen Matratzenauflage aus extra dichter Schurwolle. Die Fellstruktur kann Scherkräfte und Hautreibung reduzieren und erlaubt eine permanente Hautbelüftung. Die Verwendung von Superwash-Schurwolle erlaubt auch einen klinischen Einsatz, da sie bis zu 85° maschinenwaschbar und trocknergeeignet ist. Ein weiterer Vorteil ist emotionaler Natur: das Gefühl von Schafschurwolle wird von den Menschen als angenehm empfunden. Keine Kunstfaser und kein Kunststoff kann dieses natürlich warme Gefühl bieten. Hersteller sind z.B. Lanamed und Shear-Comfort. --Werbung> Bei Wechseldruckmatratzen sollen nur großzellige Systeme verwendet werden mit einem Zellvolumen von mindestens 10 cm! Weiterhin ist zu beachten, dass der Druck der Wechseldruckmatratze dem Körpergewicht angepasst ist!

Oft werden viscoelastische Matratzen eingesetzt. Diese erhöhen die Auflagefläche um bis zu 30% und verringern somit den Druck je Auflagefläche deutlich. Hersteller sind bspw. Tempur, Kubivent, Strohmeier, PerfoSistem... Nachteil dieser Matratzen ist, dass sie in der Anschaffung teuer sind, Scherkräfte nicht ausreichend reduzieren Feuchtigkeit nicht schnell genug ableiten und zu Wärmestaus führen können.

Eine neue Entwicklung ist die Antidekubitus-Matratze von Wolkenreich, welche die Vorteile der Luftkammersysteme mit den Vorteilen der thermosensiblen Schaumstoffe kombiniert. Das pneumatische System der Matratze registriert sogar das Gewicht der SchläferInnen und lässt sich manuell in sieben Härtegraden einstellen. Das Ergebnis ist eine Minimierung des Auflagendrucks bei Reduzierung der Scherkräfte. Durch die Konfiguration dieses Systemes entfallen Ermüdungserscheinungen der Matratze wie "Muldenbildung".

Worauf sollte bei viskoelastischen Matratzen geachtet werden?[Bearbeiten]

Sandwichmatratzen[Bearbeiten]

Es empfehlen sich Sandwichmatratzen, idealerweise mit einer Kaltschaumbasis. Hierdurch wird ein zu tiefes Einsinken (Gefahr Wärmerückstau, starkes Schwitzen, Nebenwirkungen, wie z. B. die Verlangsamung der Feinmotorik...) verhindert. Die Druck mindernde thermoadaptiven viscoelastische Auflagefläche sollte eine Dicke von 3-8 cm nicht überschreiten. Es werden entsprechende Bezüge mitgeliefert (häufig treten Inkontinenz und Dekubitusgefährdung gemeinsam auf).

PS System[Bearbeiten]

Als Alternative bietet sich das PS System an, es erübrigt einen für Feuchtigkeit undurchlässigen Protektor (der automatisch weniger Luft durchlässt als ein Baumwollbezug), da der Matratzenkern direkt abwaschbar ist. Das PS System sorgt für optimale Belüftung anhand durchgehender Perforationen. Die Oberfläche schützt vor Bakterien, Viren, Milben & Co., was bei Dekubitus(-gefahr) von entscheidendem Vorteil ist. Durch die offenen Stellen dringen schließlich leichter ungewollte "Angreifer" in den Körper. Die Struktur der Matratzen sollte durchstoßen sein, um eine bessere Punktelastizität zu erreichen, d.h. ein tieferes Einsinken der schwereren Körperpartien ist gewährleistet. Das durchstoßen der Struktur wird mit die Matratze durchstoßenden Perforationen, Oberfläche in Würfelform, Kanälen oder Kavernen erreicht.

APM Systeme[Bearbeiten]

Bei bereits vorhandenem Dekubitus, insbesondere höher als der ersten Stufe empfehlen sich Wechseldrucksysteme, so genannte APM (alternative pressure relief massage) Systeme. Hier wird der Klient auf einer mit Luftkammern ausgestatteten Matratze gelagert, die an eine Steuereinheit angeschlossen ist. Die Luftkammern wechseln in regelmäßigen Abständen Ihren Füllgrad, so dass stets eine gefüllte neben einer „laschen“ Luftkammer liegt. Die Steuereinheit bestimmt den Matratzeninnendruck wodurch der optimalen Auflagedruck erreicht wird. Manche Systeme arbeiten mit zwei Kompressoren was die Sicherheit bei Ausfall eines Kompressors gewährleistet. Je nach Gerät sind verschiedene Zeitzyklen im alternierenden Modus eingestellbar. Topmodelle verfügen über einen permanenter (Druck reduzierenden) Statik-Modus zur Therapie von Schmerzpatienten und einen Care-Modus zur Vereinfachung der Pflege und Mobilisation. Die Sicherheit betreffend ist eine automatische Tastatursperre hilfreich die ein unbeabsichtigtes „Verstellen“ der Steuereinheit verhindert. Eine Transportsicherung hält das System im aufgeblasenen Zustand. Sind die Zellen mit einer CPC-Schnellkupplung versehen, so kann inSekunden eine Zelle gewechselt oder einfach zur Freilagerung des Patienten entnommen werden.

  • Bei Schmerz- und wahrnehmungsgestörten Patienten, wie beispielsweise Demenzerkrankten oder Schlaganfallpatienten sollten keine Wechseldrucksysteme zum Einsatz kommen (außer im Statik-Modus falls vorhanden).

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Siehe auch[Bearbeiten]