Ambulanter Pflegedienst

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Ein ambulanter Pflegedienst beziehungsweise eine Sozialstation ist Anbieter von pflegerischer und hauswirtschaftlicher Unterstützung zur Versorgung eines Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit. Während ambulante Pflegedienste privat geführte Unternehmen sind, gehören Sozialstationen Dachorganisationen der Freien Wohlfahrtspflege an (z.B.Deutsches Rotes Kreuz, Caritas und Diakonie).

Sozialstationen und ambulante Pflegedienste sind Leistungserbringer der professionellen ambulanten Pflege, wie Alten- beziehungsweise Häusliche Krankenpflege, welche durch durch die Sozialgesetzbücher V bzw. XI geregelt sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer der Sozialstation war die Gemeindekrankenpflege, die erstmalig von Vinzenz von Paul Mitte des 17. Jahrhunderts institutionalisiert wurde und als neuzeitliche Caritas in der gleichnamigen sozialen Hilfsorganisation der römisch-katholischen Kirche aufging. Die Pflegearbeit wurde überwiegend von Ordensschwesternverbänden geleistet, wie der Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom heiligen Vinzenz von Paul, in deutschsprachigen Ländern vom Volk Barmherzige Schwestern genannt.

Im 19. Jahrhundert gab es eine erste Initiative von evangelischer Seite: Hier war es eine Kaiserswerther Diakonisse, die 1844 von Theodor Fliedner entsandt wurde, um eine Gemeindepflegestation einzurichten, welche aber schon nach kurzer Zeit wegen unzureichender Finanzierung wieder geschlossen werden musste. Dagegen konnte sich eine weitere, im gleichen Jahr gegründete Gemeindepflegestation in Kleve dauerhaft etablieren. Bis 1863 wuchs die Zahl der Gemeindepflegestationen nur langsam auf 25. Bis 1891 gründeten sich aber 1016 diakonische Einrichtungen, in denen insgesamt 1766 Schwestern tätig waren.
Die jeweilige Kirchen, örtliche Vereine und Spenden der Gemeindemitglieder sorgten für personelle und materielle Ausstattung. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ambulanten Pflegeeinrichtungen auch von staatlicher Seite gefördert. [1]

Ausgelöst durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts kam es zu Einbrüchen in dieser Entwicklung. Erst in den 1950er Jahren nahm die Zahl der Stationen und der in ihnen tätigen Schwestern in Westdeutschland zunächst wieder kontinuierlich zu. In der DDR dagegen, wo kirchliche Institutionen von staatlichen Sanktionen betroffen waren, stagnierte die Entwicklung. Aber schon in den 1960er Jahren zeichnete sich ab, dass das bisherige Konzept der Gemeindepflege auch in Westdeutschland nicht länger aufrecht erhalten werden konnte. Da immer weniger junge Frauen bereit waren, ein Leben als Diakonisse bzw. Ordensschwester zu führen, mussten viele Stationen schließen, so dass es zu einer Unterversorgung im Bereich der ambulanten Pflege kam, da auch nicht, wie zunächst erhofft, ausreichend freiwillige Helfer gewonnen werden konnten.

Die kirchlichen Träger suchten die Zusammenarbeit mit der Sozialpolitik. Daraus resultierte das Konzept gemeindeübergreifender Sozialstationen, die erste davon wurde 1970 in Worms eingerichtet. Auf katholischer Seite wurden die Gemeindepflegestationen in die Dachorganisation des Deutschen Caritasverbandes geführt, dagegen verblieb auf evangelischer Seite manche Einrichtung in der Trägerschaft der jeweiligen Kirchengemeinde, andere wurden als Diakoniestation vom örtlichen Diakonischen Werk übernommen oder gemeinsam mit weiteren Trägern geführt. Die kleinen gemeindeeigenen Stationen konnten sich auf Dauer jedoch nicht halten, da unter anderem veränderte Vorgaben im Bereich ambulanter Pflege sowie Kosten- und Konkurrenzdruck (durch gewerbliche Anbieter ambulanter Alten- und Krankenpflege) die personellen und finanziellen Möglichkeiten überstieg.[2]

Arten von Versorgungsleistungen[Bearbeiten]

Ambulante Pflegedienste bzw. Sozialstationen bieten meistens folgende Leistungen an:

  • Grundpflege bei Schwer- und Langzeitkranken jeden Alters (als Pflegesachleistung)
  • Haus- und Familienpflege
  • Behandlungspflege nach ärztlicher Verordnung und Versorgung nach operativen Maßnahmen
  • Verhinderungspflege nach SGB XI §39
  • hauswirtschaftliche Versorgung und Betreuungsdienste (als Pflegesachleistung)
  • Beratung in allen Fragen zur Pflegeversicherung und zur Finanzierung der Leistungen
  • Hilfe bei Anträgen (Sozialberatung)
  • Pflegeberatung und Anleitung in der Pflege für pflegende Angehörige, daneben auch Gesprächskreise (Angehörigenarbeit)
  • bei kirchlichen Sozialstationen auch seelsorgerische Begleitung

Diese und weitere Leistungen (z.B. Fahrdienste, Hauswirtschaft, Essen auf Rädern/Mahlzeitendienst, Notruf) werden abhängig vom Pflegedienst von diesem selbst erbracht oder von Kooperationspartnern. Die Abrechnung kann unterschiedlich geregelt sein, je nachdem mit welcher Versicherungsart (Gesetzliche oder Private Krankenversicherung, Pflegeversicherung) über die eigene persönliche Bezahlung hinaus abgerechnet werden kann.

Besonderheiten der ambulanten Leistungserbringung[Bearbeiten]

Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes oder der Sozialstation betreuen nicht nur Schwerstpflegebedürftige, sondern erbringen häufig nur Teilleistungen wie Verbände anlegen oder die Tabletten/Medikamente für den Tag vorbereiten bei Personen, die ansonsten selbständig sind. Nicht nur alte Menschen benötigen Hilfe, auch chronisch Kranke oder behinderte Erwachsene und Kinder bedürfen oft ambulanter fachlicher Betreuung durch einen Pflegedienst, z. B. bis zur Wiedererlangung der eigenen Körperpflege oder beim Verabreichen von Insulinspritzen. Die Hauptlast der Versorgung für die meisten Patientengruppen liegt aber meistens bei pflegenden Angehörigen.

Leitung der Sozialstation[Bearbeiten]

Die pflegerische Leitung der Sozialstation (Pflegedienstleitung), trägt oft die Bezeichnung Einsatzleitung. Sie ist hierarchisch oft einem ehrenamtlichen Vorstand oder dem Geschäftsführer des Trägers nachgeordnet. An ihre Weiterbildung werden i. d. R. höhere Anforderungen als bei der Stationsleitung gestellt, da sie auch eine hohe betriebswirtschaftliche Verantwortung in der Einrichtung trägt.

Qualifikation des Pflegepersonals[Bearbeiten]

Welche Personen in der ambulanten Pflege arbeiten dürfen, richtet sich nach den Bestimmungen der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände und der Landesverbände der Krankenversicherungen.
Die Voraussetzungen sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Während beispielsweise in Berlin Leistungen nach § 37 SGB V ausschließlich von Pflegefachpersonal erbracht werden darf, bestehen in anderen Bundesländern Regelungen, die auch Behandlungspflegetätigkeiten anderer verwandter Berufsgruppen mit mindestens 2-jähriger Berufserfahrung zulassen.

Bei den übrigen Pflegekräften bestehen derzeit keine speziellen Auflagen. Viele Pflegedienste beschäftigen allerdings aus Qualitätsgründen Pflegehilfspersonal nur mit einer Basisqualifikation oder empfehlen ihren Mitarbeitern, diese Weiterbildung zu absolvieren, andere sparen gerade an dieser Stelle und setzen auch ungelernte Hilfskräfte ein.

Pflegepersonal in der ambulanten Pflege benötigt ein ganzheitliches umfassendes Wissen und Erfahrung. Beobachten, Vermitteln, Informationsaustausch mit allen anderen an der Pflege beteiligten Berufszweigen, eine präzise, nachvollziehbare Dokumentation, ein hoher Anspruch an Konzentration und Kompetenz (wie Methoden- und Fachkompetenz, soziale und persönliche Kompetenz). Spezifische fachliche Qualifikationen besonders in Palliativpflege, Wundmanagement, Case Management, Hygienefachkraft, Qualitätsmanagement, Kenntnisse im Umgang mit gerontopsychiatrisch veränderten Menschen sind vermehrt gefragt.

Einsatzfrequenz und -dauer[Bearbeiten]

Es werden tagsüber meist mehrere Menschen nacheinander von einem Mitarbeiter versorgt, wobei die Häufigkeit der Einsätze sich zwischen 1 bis 5 mal am Tag bewegt. Die Dauer des Einsatzes ist abhängig von der vereinbarten Leistung, die wenige Minuten bis mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Daneben ist auch halb- oder ganztätige Versorgung möglich, die Kosten hierfür werden aber nur in begründeten Einzelfällen von der Krankenversicherung übernommen.

Bezahlung und Abrechnungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

Ambulante Pflegedienste werden von den jeweiligen Krankenkassen oder der Pflegekasse oder dem Träger der Sozialhilfe (z.B. im Rahmen der Hilfe zur Pflege) bezahlt. Dies richtet sich nach der Art der Hilfeleistung:

  • die häusliche Krankenpflege als Behandlungspflege (z.B. Medikamente stellen/verabreichen, Verbände wechseln, Injektionen verabreichen, Absaugen, Infusionstherapie und alle anderen Medizinischen Hilfeleistungen werden von der Krankenkasse nach ärztlicher Verordnung übernommen (§ 37 SGB V), von den Sozialämtern, wenn kein Krankenversicherungsschutz besteht, nach § 48 SGB XII.
  • die Grundpflege ((als Pflegesachleistung) z.B. Körperpflege, Hilfe beim Ankleiden, Auskleiden aber auch bei der hauswirtschaftlichen Versorgung (Wäsche waschen, putzen) zahlt die Pflegekasse sofern ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) die Pflegebedürftigkeit einer Person überprüft und in die Pflegestufe 1 bis 3 eingruppiert hat. Dabei richtet sich die Höhe der Kostenbeteiligung an der gesamten pflegerischen Betreuung nach der Höhe der festgestellten Pflegestufe. Man kann sich dann entscheiden, ob man Geldleistungen (wenn z.B. ein Angehöriger die Hilfeleistungen verrichten kann), Sachleistung (wenn der Pflegedienst allein die Hilfeleistungen durchführt) oder Kombileistungen (der Pflegedienst rechnet mit der Pflegekasse ab, den Überschuss (allerdings dann nur bezogen auf den fiktiven Geldleistungsbetrag) erhält der Versicherte) in Anspruch nehmen möchte. Pflegestufen müssen erst bei den Pflegekassen beantragt werden, sie werden nicht automatisch erstellt bzw. genehmigt. Die Leistungen werden immer erst vom Tage der Antragsstellung an genehmigt oder abgelehnt. Sofern kein Pflegeversicherungsschutz besteht, übernimmt die Sozialhilfe im Rahmen der Hilfe zur Pflege die Kosten der Grundpflege.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christof Grote: Der diakonische Aufbruch im 19. Jahrhundert am Beispiel der Gemeindekrankenpflege. auf www.diakonie.de
  2. Ch. Grote: Von der Gemeindepflegestation zur Diakoniestation.


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