Mutter

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"Mutter" ist jede Frau nach einer Geburt oder auch nach mehreren Geburten. Es kann sich um Lebend- oder Totgeburten gehandelt haben. Neben dieser biologischen Definition wird Mutter in der Soziologie bzw. Pädagogik als Beschreibung einer Rolle von Frauen in der Gesellschaft, die Kinder gebären und erziehen (sollen), verstanden.

Die entsprechende Rolle der Männer ist die des Vaters. Der biologische Vater wird auch als leiblicher Vater bezeichnet. Mutter und Vater sind zusammen die Eltern des Kindes.

Die Mutterschaft hat bestimmte rechtliche Wirkungen. Die Mutter hat rechtlich und sittlich zusammen mit dem Vater die Pflicht und das Recht, das Kind zu vertreten, sein Vermögen zu verwalten, es zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen, solange das Kind minderjährig ist. Das ist die elterliche Sorge.

Die Mutterschaft umfasst die Zeit der Schwangerschaft, das ungeborene Kind ist als Leibesfrucht spürbar vorhanden, die Geburt, die Stillzeit und die weitere Erziehung. Viele folgen der mehr psychologischen Sicht, dass die Rolle einer Mutter bis zu ihrem Tod andauert und nicht mit dem Selbständigwerden der Kinder endet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Das Alter der Mutter werdenden Frauen

Frauen werden heute meistens Mutter durch die bewusste Entscheidung, Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung zu unterlassen und die Befruchtung der Eizelle durch Geschlechtsverkehr zu bewirken. Daneben werden Frauen auch durch ungewollte Schwangerschaften Mutter oder es werden Methoden der künstlichen Befruchtung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft praktiziert.

Frühestens mit der Menarche kann eine Frau schwanger werden. Das bedeutet, dass junge Frauen biologisch bereits ab einem Alter von ca. 12 Jahren erstmals Mutter werden können. Mehrfachgebärende sind meistens in der Altersgruppe der 18- bis 28jährigen Frauen. Danach kann es bis zum Ausbleiben der Regel in der Menopause zu einer natürlichen Mutterschaft kommen. Statistisch nimmt die Häufigkeit der Geburten nach dem 30. Lebensjahr deutlich ab. Kinder erleben ihre Mütter also meistens in einer Lebensphase zwischen 20 und 45 Jahren. Die Väter sind etwas gleich alt. Bis 1960 waren die Väter im Durchschnitt zwei Jahre älter als die (ehelichen) Mütter.

[Bearbeiten] Künstliche Befruchtung, Kinderzahl und Späte Mutterschaft

Von einer "späten Mutterschaft" ist dann die Rede (willkürliche Festlegung des Begriffs in der Medizin), wenn die Mutter bei der Geburt 35 Jahre oder älter ist. Erfahrungsgemäß nimmt die Zahl der Entbindungen aller dafür in Frage kommenden Frauen mit dem Alter kontinuierlich ab. Aber rund 26 Prozent aller Gebärenden im Jahr 2007 waren in der BRD mindestens 35 Jahre alt. Zwanzig Jahre davor, also 1987, hatten z. B. nur rund neun Prozent aller Neugeborenen in Baden-Württemberg eine Mutter, die schon 35 Jahre "alt" waren, 1997 waren es bereits 16 Prozent und 2007 sind es über 25 Prozent. Dabei entscheiden sich immer noch die meisten Frauen und potentiellen Väter für eine Kindsfolge vor dem 30. Lebensjahr. Sie beenden nach zwei, maximal drei Kindern ihre "Fruchtbarkeit" durch die Einnahme der Pille bzw. andere Schwangerschaftsverhütungsmittel. Der Durchschnitt der Kinderzahl liegt derzeit bei etwa 1,3 Kinder. Für eine gleichbleibende Bevölkerungszahl müßten Paare aber bei sonst stabilen Umweltbedingungen etwa 2,1 Kinder "empfangen".

Durch die Erfolge der Fertilitätsmedizin (Künstliche Befruchtung, Samen- und Eispenden oder assistierte Reproduktion) sind etwa seit 2000 auch Frauen weit jenseits der Menopause, durch die Implementierung befruchteter Eizellen leibliche Mutter geworden. Ein Begriff dafür hat sich noch nicht gebildet. Jedoch wird die Situation der "alten Mutter" (willkürliche Festlegung des Begriffs; etwa nach dem 60. Lj.) unter ethischen Gesichtspunkten in der Medizin und der Öffentlichkeit diskutiert. Alter im Sinn eines hohen Lebensalters war bis dahin für die Gynäkologie nur eine Frage der Fruchtbarkeit und der Risikobewertung von Schwangerschaft und Entbindung (u. a. OP-Risiko der Mutter).

Beispiele
  • 2007 brachte z. B. die Entbindung einer 64jährigen in Aschaffenburg die herkömmliche Vorstellungen von Familie und Generationenfolge durcheinander.
  • Im Oktober 2007 brachte eine 51jährige Frau in Brasilien Zwillinge zur Welt.
  • 2008 soll eine angeblich 70 Jahre alte verheiratete Inderin nach einer für künstlichen Befruchtung Zwillinge bekommen haben. Im Mai war eine Engländerin mit 66 Jahren zum ersten Mal Mutter, eines Jungen, geworden.
  • 2009: Die unverheiratete Spanierin, die 2006 mit 67 Jahren als damals älteste Erstgebärende der Welt Zwillinge bekam, ist gestorben. Sie sei einem Krebsleiden erlegen. Die beiden Waisen sind nun zweieinhalb Jahre alt. Sie gab in einer amerikanischen Spezialklinik für künstliche Befruchtung an 55 Jahre alt zu sein. Kritik wies die Frau damals zurück: „Meine Mutter ist 101 Jahre alt geworden, warum soll nicht auch ich so alt werden?“[1]
  • 2009, Mai: in diesem Monat hat eine 66jährige Britin per Kaiserschnitt entbunden, die bereits Stiefmutter von drei Töchtern ist. Sie sei in einer Klinik in der Ukraine behandelt worden. Ihr Sohn ist 2400 Gramm schwer. Mutter und Kind seien wohlauf.[2]

[Bearbeiten] Risiken später Schwangerschaften

Statistisch drohen der Spätgebärenden und der Eizellspenderin unterschiedlich zu bewertende mögliche Gefahren. Bereits das Leiden der Eizellspenderin sollte beachtet werden. Die Eizellspende ist in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Schweden und Norwegen verboten - in etlichen Ländern Osteuropas, in Großbritannien und Spanien gesetzlich erlaubt. Ob es von Ärzten durchgeführt werden soll, ist eine weitere Frage.

Wie zur Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung muss auch vor einer Eizellspende zunächst das Ei hormonell zur Reife gebracht werden. Dazu sind evtl. über Wochen oder Monate subkutane Spritzen nötig. Die bekannten möglichen Nebenwirkungen der "Hormonkur" sind Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen und ein erhöhtes Infarktrisiko. Die Eizellentnahme erfolgt operativ. Dazu wird eine Punktionsnadel durch die Vaginalwand gestochen und zu den Eierstöcken geführt.

Damit sich das befruchtete Ei in der Gebärmutter der empfangenden Frau einnistet, die schon die Wechseljahre hinter sich hat, ist auch bei ihr eine hormonelle Stimulation nötig, mit ähnlichen Nebenwirkungen wie genannt. Da sich befruchtete Eizellen nicht alle erfolgreich einnisten, bekommen die Mutter werden wollenden Frauen nach einander und gleichzeitig mehrere Eier eingepflanzt. Dies führt bei ihnen zu einer höheren Rate von Mehrlingsgeburten. Oft sind bis zur erfolgreichen Einnistung eines Eies aber mehr als zehn Versuche notwendig.

Je höher das Alter der Frau, desto mehr Risiken birgt statistisch die Schwangerschaft für sie und ihr Kind. Durch das zusätzliche Gewicht, hormonelle Veränderungen und die Umverteilung des Blutes werden Thrombosen wahrscheinlicher. Zudem droht eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung mit Bluthochdruck und Nierenschäden. Schwangerschaft und Geburt stellen eine erhöhte Belastung für Herz und Kreislauf dar. Kinder, die nach künstlicher Befruchtung geboren werden, sind zumeist etwas leichter als auf natürlichem Weg gezeugte Neugeborene. Positiv sollte aber auch bedacht werden, dass bei normalem, erfolgreichen Verlauf der Schwangerschaft und Geburt, dem Kind dadurch keine Gefahren drohen.

[Bearbeiten] Leihmutterschaft

Von Leihmutter wird gesprochen, wenn die entbindende Frau in einer freiwilligen Vereinbarung mit den sozialen Eltern des Kindes eingewilligt hat, sich für die Schwangerschaft ein befruchtetes Ei der sozialen Mutter einpflanzen (implementieren) zu lassen und es nur bis zur Entbindung behalten zu wollen. Die Frage, ob solche Vereinbarungen rechtens sind, wird weltweit ethisch und juristisch mit unterschiedlichen Folgen diskutiert und geregelt.

[Bearbeiten] Parität, Fachsprache

Das Wort Parität (vom Lateinischen parere = „gebären“) bedeutet in der Humanmedizin die Zahl der Geburten einer Frau. Eine Frau ohne vorhergehende Geburt wird dort als Erstgebärende und auch als Nullipara bezeichnet, mit einer Geburt als Primipara und mit zwei Geburten als Bipara. In der Medizin wird der Begriff, unabhängig vom Geschlecht des Kindes, verwendet; der soziologische ähnliche, aber nur auf Knaben bezogene, Ausdruck ist Erstgeburt.

Die Bezeichnungen Nullipara, Primipara etc. werden in der Fachliteratur oft mit para 0, para 1 etc. abgekürzt.

[Bearbeiten] Literatur


Zitatnachweise, Zeitschriftenartikel

  1. Älteste Erstgebärende mit 69 Jahren gestorben. Westdeutsche Zeitung vom 15. Juli 2009 (Namen der Frau hier entfernt.)
  2. Gesundes Baby für 66-Jährige. 29.05.09

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Siehe auch

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