Aloe

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Es gibt insgesamt ca. 400 verschiedene Sorten von Aloe-Pflanzen. Die Echte Aloe (Aloe vera Linné = botanischer Name, Synonym = Aloe barbadensis) gehört zu den drei Sorten, die zur inneren und äußeren Anwendung verwendet werden können. Sie ist nicht zu verwechseln mit "Agaven" oder gar als "Kaktus" einzustufen, sie ist ein Liliengewächs und gehört zur Knoblauchfamilie. Daher auch der etwas knoblauchartige Geschmack.

Daneben gibt es auch Curaçao-Aloe, Aloe ferrox, Barbados-Aloe, Socotrine-Aloe, Venezuela-Aloe, Sansibar-Aloe u.a. und diese gehören zur Pflanzenart aus der Gattung der Aloen (Aloe) aus den Affodillgewächsen (Asphodelaceae).
In der pharmazeutischen und kosmetischen Verwendung ist sie fast ausschließlich unter ihren synonymen wissenschaftlichen Namen Aloe vera L. bzw. Aloe barbadensis bekannt.

Die Aloen sind Blattsukkulenten, die meistens in heißen und trockenen Zonen Afrikas beheimatet sind. Kultiviert werden sie auch in anderen Trockengebieten, zum Beispiel auf den Kanarischen Inseln, den Balearen, Europa, Amerika. Sie sind frostempfindlich, können aber sehr gut im eigenen Garten gezogen und im Winter im Haus gehalten werden. Zur inneren Anwendung sollten Aloe-vera-Linné-Pflanzen kommen, die ca. 3-4 Jahre alt sind. Dann entwickeln sie die größte Wirkung. Pflanzen siehe Literaturhinweise.

Beschreibung[Bearbeiten]

Wenn die Pflanzen mehrere Jahre alt sind, bilden sie über 1 m hohe Blütenständen mit traubig angeordneten rötlichen, dreizähligen Blüten. Die Pflanze kann bis zu 10 Jahre alt werden.

Nur ältere Pflanzen bilden einen höheren Stamm, bei jüngeren Pflanzen ist dieser gestaucht, so dass die Blätter relativ dicht am Boden sind. Die Blätter sind rosettenförmig angeordnet, etwa 40 bis 50 cm lang und an die 6 bis 7 cm breit. Sie bestehen aus drei unterschiedlichen Schichten, die jeweils spezifische Inhaltsstoffe enthalten. Eine graugrüne lederartige äußere Schicht schützt die Pflanze vor dem Austrocknen. Der gelbliche harzige Saft der darunter liegenden Faserschicht enthält u.a. Aloine, die durch ihren bitteren Geschmack die Pflanze vor Tierfraß schützen. Aus diesem harzigen Saft wird durch Eintrocknen das pharmazeutisch genutzte Curacao-Aloe gewonnen. Die innerste Schicht (Mesenchymschicht) stellt den eigentlichen Flüssigkeitsspeicher dar. Sie besteht aus einem Gel mit einem Wasseranteil von 96 %, das Stoffe enthält, welche die Abwehrkräfte des Menschen und die Wundheilung fördern sollen. Dieses bezeichnet man laut Oghuzan als China-Öl.

Nutzung[Bearbeiten]

Aloe vera Linné[Bearbeiten]

Die starke abführende (heilende) Wirkung des aus dem Blattharz gewonnenen „Aloin“ ist seit langer Zeit (ca. 5000 Jahre) bekannt. Als Inhaltsstoffe zu erwähnen sind neben Aloin: Barbaloin, Isobarbaloin, Anthracen, Anthranol, Chrysophansäure, Zimtsäure und deren Ester. Als Frischblatt kann die ganze Blatthaut mit dem inneren Gel verwertet werden. Da eine maschinelle Verarbeitung nur in sehr aufwändiger Technik den Bitterstoff "Aloin" herausfiltern kann, wird generell für medizinische, kosmetische Zwecke und als Nahrungsergänzung nur das Blattinnere (Gel bzw. der Saft) der Pflanze verwendet, in seltenen Fällen die ganze Blatthaut.

Aloe-vera-Linné-Gele[Bearbeiten]

Einer der Hauptwirkstoffe ist das Acemannan, ein langkettiges Polysaccharid. Diese Substanz aktiviert in In-vitro-Experimenten das Immunsystem, schützt die Zellmembranen und ist antibakteriell, antiviral und antimykotisch wirksam. Diese Substanz, die in der Zahnmedizin auch als Gebisskleber genutzt wird, kann jedoch nur über den Magen-Darm-Trakt in den Körper aufgenommen werden, wenn als natürlicher Bestandteil das reine Blattmark verwendet wird.

Daneben enthält die Aloe vera Linné Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Zink, Selen u.a.), Vitamine, Aminosäuren und sekundäre Pflanzenstoffe (Flavonoide). Insgesamt sind derzeit ca. 300 verschiedene Inhaltsstoffe bekannt.

Nachfolgend sind die Anwendungsgebiete genannt, die derzeit für Aloe vera Linné-Gele beansprucht werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit für diese Gebiete wurden jedoch nur in den seltensten Fällen angestellt. Im Gegensatz dazu gibt es hunderte von empirischen Erfahrungsberichten aus der Anwendung als innerliches und äußerliches Hausmittel.

  • Äußerliche Anwendung: bei Abszessen, Akne, Fußpilz, Neurodermitis, Herpes, schlecht heilende Wunden, Ekzemen, Schuppen, Haarausfall. Zur Linderung von kleinen Verbrennungen (z.B. Sonnenbrand) oder Neurodermitisbeschwerden dient Aloe vera als Hausmittel. Dazu können einige Zentimeter eines Blattes abgeschnitten, die Kanten entfernt und das Blatt quer geteilt werden. Das Gel kann dann direkt auf die Haut aufgetragen werden. Die Wirksamkeit von Aloe vera Linné bei äußerer (und innerer) Anwendung wird derzeit kontrovers diskutiert.
  • Schock: Tierexperimentelle Daten zeigen, dass ein polymeres Kohlenhydrat aus dem schleimigen Pflanzensaft bei dem durch starken Blutverlust bedingten Schock kreislaufstabilisierend und durch den Zeitgewinn sogar lebensrettend wirken könnte.
  • Immunmodulatorische Wirksamkeit: Zur Stärkung des Immunsystems bei Erkältung, aber auch bei AIDS und Krebs, werden Aloe vera-Gele beworben. Im Gegensatz zu ihrer nachgewiesenen immunmodulatorischen in-vitro-Wirkung, konnte in klinischen Studien ihre Unwirksamkeit bei Menschen mit AIDS oder verschiedenen Krebsformen gezeigt werden.
  • Weiteres: Arthritis, Gicht, Ischias, Fibromyalgie, an der nur in Deutschland ca. 1 Mio Menschen leidet, Rheuma; Problemen des Magens, der Niere und der Bauchspeicheldrüse; Arteriosklerose und Angina Pectoris. Wirksamkeitsnachweise naturwissenschaftlichen Charakters für diese Anwendungsgebiete sind nicht bekannt.
  • Zahnmedizin: Aloe vera Linné-haltige Zahncreme soll der Parodontitis entgegenwirken.

Nachstehend ist ein Herstellverfahren beschrieben: Wichtige Voraussetzung zur Nutzung des Gels war, dass der texanische Apotheker Bill C. Coates ein Verfahren zum Schälen der Blätter und zur Konservierung des Blattgels entwickelte. In einer Filettiermaschine wird noch heute das Blattmark schonend von der Blattrinde getrennt, so dass die abführenden Anthracenderivate an der innenseite der Blattrinde das Gel nicht kontaminieren. Zur Stabilisierung wird in diesem Fall Vitamine C und E nach einem patentierten Verfahren zugegeben und in Edelstahltanks stabilisiert. Unter bestimmten Niedrigtemperaturen kommt es zu einer chemischen Reaktion, welche die Erhaltung der hitzeempfindlichen Wirkstoffe ermöglicht.

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Es können Wechselwirkungen mit Hydro-Kortisoncremes auftreten. Bei gleichzeitiger Anwendung von Diabetesmitteln kann der Blutdruck abfallen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Wild wachsende Aloe-Arten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen vom 3. März 1973 geschützt - ausgenommen davon sind Pflanzenprodukte, die von außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes eingebürgerten oder von künstlich vermehrten Aloen stammen. Angebaut wird die Aloe vera neben Afrika auf Plantagen in Texas, Florida und Mexiko, auf den Kanarischen Inseln, den niederländischen Antillen, in den Küstengebieten von Venezuela und seit Kurzem auch auf einer großen Plantage in Colonche, Ecuador. Auf den kanarischen Inseln haben sie ebenso ihren Platz. Von dort werden sie in viele Länder geschickt, u.a. auch nach Deutschland (siehe Literaturhinweise).

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Schon in der Bibel wird Aloe erwähnt (• 4. Mose 24,6; Ps 45,9; Spr 7,17). Zu dieser Zeit wurde Aloe als Räucherwerk, also Parfüm (Hol. 4, 14) und als Zusatz bei Leichenbalsamierungen verwendet (Joh. 19, 39). Als Phönix sind folgende Geschichten mit dem Namen Aloe (Alloê) verbunden: Es wird erzählt, dass Jesus vor der Grablegung Auferstehung mit 40 kg Aloe einbalsamiert wurde. Analog hierzu war Aloe auch der Name einer der drei am Grabe wachenden sogenannten »Frauen im Segen«. Die Verbindung der Ausdrücke untereinander wie auch zu der Pflanze bleibt unklar, zumal die orientalische Assoziation von Zauberkraft völlig weggebrochen scheint. (Vgl. HdA.). Im 10. Jahrhundert empfahl der Patriarch von Jerusalem Alfred dem Großen von England die Aloe-Pflanze als Heilmittel, zumal man wusste, dass sie sehr schmerzlindernde Wirkung hat.

Bereits Alexander der Große ließ Verletzungen der Soldaten mit dem Saft der Aloe vera behandeln. Nofretete und Cleopatra verwendeten eine Aloe-Paste zur Haut- und Schönheitspflege.

Der griechische Arzt Dioskurides (1. Jh.) beschreibt die Aloe in der Materia Medica dann als eine Pflanze, die »[...] adstringirende, austrocknende, den Körper verdichtende, den Bauch lösende, den Magen reinigende Kraft [...]« habe, die mit Wasser getrunken gegen Gelbsucht helfen, aber auch als Abführmittel und aufgetragen bei Wunden und Geschwüren (vor allen im Bereich der Geschlechtsorgane) Wirkung zeigen soll. Auch die Ayurveda-Medizin kennt ähnliche Einsatzgebiete auf der Haut und bei Menstruationsbeschwerden. Noch nahe am Aberglauben war die Vorstellung, die Aloe verleihe Frauen die Kraft der Jugend und regeneriere die weibliche Natur - wie die Mayas viel später dann doch bestätigten. In den Ländern mit einem hohen Anteil von Naturvölkern ist die Aloe seit ewigen Zeiten als Abtreibungsmittel bekannt.

In der frühen Neuzeit brachten die spanischen Conquistadores die Pflanze nach Mittelamerika, auf die Westindischen Inseln und nach Bolivien, die Mayas gaben ihr den Namen Quelle der Jugend. Christoph Kolumbus führte Töpfe mit Aloe vera auf seinen Schiffen mit, um wie Alexander der Große die Verletzungen der Soldaten behandeln zu können. lm 16. Jahrhundert entdeckten spanische Jesuiten dann die wilde Aloe auf der Insel Sokotra (am Kap von Afrika), wo immense Mengen wuchsen und noch heute wachsen. Diese wurden bis ca. 1920 für medizinische Zwecke nach Europa geschifft. Da die Reisen sehr lange dauerten, konnten die Aloe-Blätter nicht in frischem Zustand transportiert werden, sondern mussten vor Ort eingedickt, also gekocht werden. Das Wasser wurde entzogen und übrig blieb ein Granulat, das ohne Probleme verschickt werden konnte. Durch die Erhitzung haben sich allerdings viele der in natürlicher Form enthaltenen, ca. 300 pharmazeutischen Substanzen verändert und durften somit nur in medizinischen Produkten verwendet werden, denn besonders das Aloin, also ein Bitterstoff, konnte nun in gekochter Form schon bei kleinerer Dosis giftige Wirkungen zeigen, was in frischem Zustand nicht der Fall war .

In den 30 er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde mit der Verwendung von Röntgenstrahlen in der Krebstherapie die Aloe-Paste als Mittel gegen die Hautverbrennungen durch hohe Strahlendosen wiederentdeckt. Interessant ist auch, dass viele Hausfrauen aus diesem Zeitraum die Bedeutung der Aloe Vera L. kannten und fast auf jeder Fensterbank einer Küche eine solche Pflanze stand, die meistens täglich bei Verbrennungen und Hautverletzungen zum Einsatz kam, zumal damals ausschließlich mit Holzöfen gefeuert und gekocht wurde. Zwischen den Jahren ab ca. 1920 bis zum Jahr 2002 fristete diese Heilpflanze ein unbekanntes Dasein, denn die Pharmaindustrie war nun in der Lage, viele der in der Natur vorkommenden Substanzen selbst und im eigenen Land herzustellen. Ab den 90er Jahren kamen vereinzelt dermatologische Produkte für die äußerliche Anwendung aus resp. mit Aloe-Anteilen auf den Markt, obwohl die dermatologische Wirkung weiterhin umstritten war. Wie auch andere Kosmetika werden Aloe-Vera-Produkte häufig von MLM Netzwerk-Marketing-Unternehmen vertrieben. Aloe wird (häufig über den gleichen Vertriebsweg) auch als Frisch-(Preß)-Saft oder "Mark" für die innerliche Anwendung gehandelt. Dabei werden oftmals Produkte angeboten, die aufgrund des Produktionsprozesses (z.B Wärmebehandlung) nahezu wirkungslos sind.

Nur zertifizierte Produkte werden einer regelmäßigen Qualtiätskontrolle unterzogen und garantieren dessen Wirksamkeit.

Die zuverlässigsten und strengsten Prüfsiegel sind International Aloe Science Council Inc., Kosher Rating und Islamisches Prüfsiegel.

Aloe Vera Saft darf in Deutschland nach der Fruchsaftverordnung im Verhältnis 1 Teil Aloe Vera Gel zu 200 Teile Wasser verdünnt werden. Das entspricht 100 Prozent reinem Saft. Dementsprechend wirkungslos ist dieser Saft.

Siehe auch: Schockbehandlung

Literatur[Bearbeiten]

  • Gesund werden – Gesund bleiben: Der Aloe Vera-Leitfaden; Dr. med Jean-Bernard Delbé, Prof. Dr. med. Peter Billigmann; Projektleitung Carsten Kröger, Verlag Medizin & Management, 2005, Saarbrücken; ISBN 3-9809673-0-1.
  • Eva Helle, "Aloe Vera - Das Multitalent für Gesundheit und Schönheit. GU Ratgeber Gesundheit"; ISBN: 3774266921.
  • Prof. Dr. Michael Hamm, Natürlich schön. Mit Beauty Food und Aloe Vera; ISBN: 3865281087.
  • Marina Kameneva et al: Survival in a rat model of lethal hemorrhagic shock is prolonged following resuscitation with a small volume of a solution containing a drag-reducing polymer derived from Aloe vera, Shock. 22:151-156 (2004).
  • Aloe vera – was ist dran? arznei-telegramm 33, 64-65 (2002).
  • Gabriele Vocke: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Compact Verlag, München 2002, ISBN 3-8174-5399-X.
  • Michael Peuser: "Kapillaren bestimmen unser Schicksal", (überarbeitete Version des Buches "Aloe, Kaiserin der Heilpflanzen"), erhältlich bei Gemeinschaft Lebendige Energie, Tel. 0172-8710403, ISBN 3-0096400-X-0.

Weblinks[Bearbeiten]


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