Aktionismus

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Aktionismus ist ein nicht zielgerichteter, unüberlegter, übertriebener oder nicht angemessener Tätigkeitsdrang; es wird etwas gemacht, um etwas zu tun, um "nicht tatenlos" zu erscheinen. Meist ist gefühlte Hilflosigkeit der Auslöser, aber auch vermeintliche Erwartungen anderer können dabei eine Rolle spielen. Das heutige Gesundheitssystem erfordert in manchen Fällen Aktionismus, da sonst die Finanzierung mancher "Fälle" nicht gewährleistet ist. Manche Maßnahme wird wider besseren Wissens nur deshalb durchgeführt, um eventuellen Vorwürfen oder einer rechtliche Auseinandersetzung ("unterlassene Hilfeleistung") zu entgehen.

Das Selbstverständnis der eigenen Professionalität ist mitentscheidend, ob eine Maßnahme "um jeden Preis" durchgeführt wird oder nicht.

Beispiele:

  • Obwohl die Sauerstoffgabe bei einigen Atembeschwerden kontraindiziert ist, wird sie wider besseren Wissens oft durchgeführt
- aus Unkenntnis von Alternativen
- um die Situation schnell und bequem "in den Griff zu bekommen"
- weil Patient und/oder Angehörige es verlangen und in der Situation kein ruhiges Gespräch geführt werden kann.
  • Bei Sterbenden werden oft noch unnötige Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt (z.B. voluminöse Infusionstherapie, Blutentnahmen, routinemäßiges Absaugen beim "Todesrasseln", Mobilisation nach Standard), weil das medizinische und pflegerische Personal
- den Zustand des Patienten nicht erkennt oder wahrhaben will
- Zurückhaltung und Unterlassen nicht als Teil der eigenen Arbeit bzw. des eigenen Berufsverständnisses anerkennt
- befürchten muss, verklagt zu werden, wenn auf bestimmte Maßnahmen verzichtet wird.
  • "Bagatell"-Erkrankungen wie leichte Erkältungen werden mit diversen Medikamenten und Maßnahmen "bekämpft", ohne dass deren Wirksamkeit bestätigt ist und die Beschwerden nach allgemeiner Erfahrung innerhalb einer gewissen Zeit auch ohne Interventionen abklingen.

Siehe auch[Bearbeiten]