Advanced nursing practice

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"Wir brauchen für eine gute Versorgung akademisch ausgebildete Menschen, die in der Praxis tätig werden."

Advanced nursing practice bedeutet: Akademiker arbeiten in der Bedside-Pflege.

Definition bzw. Merkmale von Advanced nursing practice:

  • Spezialisierung (auf spezifische Gesundheitsprobleme, Patientengruppen)
  • Erweiterung (der klinischen Expertise)
  • Fortschritt (durch Verbesserung der Patientenresultate)

Arbeitsfelder von ANP sind vielfältig, jedoch immer mit einer erweiterten Pflege verbunden, d.h. mit Interventionen, die traditionellerweise nicht ins pflegerische Aufgabenspektrum gehören (z.B. klinisches Assessment, medizinische Diagnostik, Familieninterventionen).

Geschichte[Bearbeiten]

In der Geschichte findet man zwei komplett verschiedene Prinzipien.

Nurse practitioner[Bearbeiten]

Es beginnt Ende der 70er Jahre in den USA:

  • In vielen ländlichen Gebieten gibt es wenig Ärzte und somit auch wenig ärztliche Versorgung.
  • Man hat Pflegekräfte zu nurse practitioner (NP) ausgebildet, die medizinische Ersatztätigkeiten durchführen (einfache Wundversorgung, Medikamente) und entscheiden konnten, ob ein Patient einem Arzt vorgestellt werden muss oder nicht (wurde sogar schon wissenschaftlich begleitet).
  • Man hat festgestellt: Die Behandlungen der nurse practitioner hat eine hohe Qualität (z.B. Patientenzufriedenheit), denn die Krankenschwestern handelten auf einer "Care"-, nicht "Cure"-Basis.
  • Dies hat man anerkannt, indem die Ausbildung dieser Pflegenden mit leicht erweiterten Inhalten in Bachelor und Master Ausbildungen (mit viel Pharmakologie, Physiologie) umgewandelt wurden.
  • Schließlich wurden Krankenhäuser auf diese Pflegende aufmerksam.

Heute arbeiten bis zu 300 "nurse practitioner" im Personal eines US-Krankenhauses!

Clinical nurse specialist[Bearbeiten]

Gleichzeitig gab es "clinical nurse specialists" (CNS), spezialisierte Krankenschwestern, deren Weiterbildung im Laufe der Zeit akademisiert wurde.

  • klinischer Bereich mit medizinischen Aufgaben (Stomapflege, Onkologische Pflege)
  • Patientenschulung und -beratung (20%)
  • Der Hauptbestandteil (80% Tätigkeiten) ihrer Arbeit bestand aber darin, die eigenen Arbeitskollegen anzuleiten und zu schulen, so dass diese wieder "up to date" waren.
  • Die Prozentverteilung verdeutlicht die Rolle der specialists in den KHs.

Bei "nurse practitioners" war die Aufgabenverteilung umgedreht, d.h. sie haben viele Patienten und weniger Kollegen geschult. In der Ausbildung erlernte man jedoch dieselben Kompetenzen, sowohl als NP wie auch als CNS. Als dies deutlich wurde (Mitte der 90er), haben sich beide Ausbildungen zusammengeschlossen und den Begriff advanced nursing practice als Sammelbegriff eingeführt.

Master of Science = arbeitet als Wissenschaftler
Professional Master (Master of Arts) = bleibt in der Praxis

(fast identische Ausbildung)

Physician assistent[Bearbeiten]

Die Physician assistents (PA) sind ein Gegenstück zu ANP

  • Vorraussetzung ist eine Bachelorausbildung im Gesundheitsbereich (z.B. Logopädie, Physiotherapie, Hebamme)
  • Möglichkeit zum Professional Master (komplette medizinische Ausrichtung)
  • Man lernt Medizin und vertieft nicht sein Fachgebiet.
  • Kleine OPs darf er selber durchführen.
  • Medikamente verschreiben
  • Erstdiagnostik

Teilweise Überschneidung mit ANP:

  • Machen Erstediagnostik.
  • Haben auch schon mal kleinere OPs (Appendektomien) durchgeführt.
  • Gemeinsam: Supervision durch einen Arzt
  • Unterschied: ANPs arbeiten als Pflegende, PAs als "Fast-Arzt"

Kompetenzen[Bearbeiten]

  1. Ergebnisbewertung von neuem Wissen (neuste Studien übertragen, bewerten)
  2. Analysebefähigung für Arbeitsabläufe (auf Station/KH)
  3. Präsentations- und Verhandlungskompetenzen

Wesentliche Elemente der "Advanced nurse practitioners"[Bearbeiten]

  1. questioning of current practice: unser Tun hinterfragen
  2. creation of new nursing knowledge: nicht nur jemand der übersetzt und in der Praxis tätig ist; neue Methoden / "Neues" ausprobieren (Freiräume nutzen) ...
    • der Wissenschaftler überprüft lediglich (trotzdem benötigt man wissenschaftliche Fähigkeiten, denn das "Neue ausprobieren" erfolgt systematisch)
  3. improved delivery of nursing services: die Praxis verbessern, (Qualitätsentwicklung, -sicherung)

Begriffe[Bearbeiten]

Begriff Definition
Advanced nursing practice or Advanced practice
  • was wird gemacht in der Pflege
  • Praxis, Ausbildung, Forschung, professionelle Entwicklung
  • Pflegeperson führt/initiiert.
  • Unterschied zu anderen Pflegepersonen: Spezialisierung, Expansion (von Wissen)
Advanced clinical practice
  • klinische Pflege, direkte Pflege
Advancement
  • Spezialisierung und Expansion von Wissen,
  • Fähigkeiten, Rollenautonomie
  • Innovation und Verbesserung (der pflegerischen Angebote)
  • Praxis-Theorie-Vernetzung (nicht ein "Bringen des Wissens in die Praxis", sondern das Wissen, welches in der Praxis vorhanden ist, wird gefestigt!)
Advanced practice nursing
  • nicht nur was Pflegende tun, sonder das gesamte Feld, in dem Pflege stattfindet
Advanced practice nursing roles alle Rollen, welche Pflegende auf einem "advanced level of nursing practise" einnehmen
  • Anleiter, Patientenbetreuer, Berater...

Voraussetzung: Akademiker (Master!), praktische Erfahrung, Registrierung und Zertifizierung (in England/USA üblich)

Advanced practice nursing enviroments and enviromental factors

"Rahmenbedingungen"

  • Strukturen der Einrichtung
  • "Arbeitskultur"
  • Gesundheitswesen, Politik
  • Machtkämpfe (Neid)

Definitionen entnommen aus (Lit.: Bryant-Lukosius DiCenso Brown & Pinelli 2004)


Problemfelder[Bearbeiten]

Management:

  • Es besteht die Gefahr, dass bestimmte Tätigkeiten nur an die Pflege delegiert werden, um die Kosten (auch) auf das Pflegebudget umzuschieben

Rollenkonflikte:

  • Unterschiedliche Erwartungen an APNs
  • Rollen overload: in anderen Bereichen tätig sein, die nicht die eigentliche Aufgabe sind
  • "Ersatzarzt", dem Arzt die "leidigen Aufgaben" abnehmen, damit dieser sich um die "wichtigen Probleme" kümmern kann

Fähigkeiten

  • werden unter ihren Fähigkeiten als "Handlanger" der (meiste) med. Forschung missbraucht
  • Tätigkeiten, für die man keine Master-Ausbildung benötigt

Finanzierung

  • wer bezahlt APNs?

In den Niederlanden[Bearbeiten]

  • PA: macht Erstdiagnostik (neue Patient) -- Arzt oder Eigenbehandlung
  • ANP: - Eigene Sprechstunde für "bekannte Dauerpatienten" (Asthma, COLD)

In Deutschland[Bearbeiten]

Durch den beginnenden Ärztemangel in Deutschland werden diese Berufsgruppen auch in Deutschland interessant: die Universität Erlangen denkt über erste Studiengänge nach.

Seit 2009 ist der Bachelor-Studiengang "Advanced Nursing Practice" an der Medical School Hamburg und seit 2012 an der Medical School Berlin vertreten: "Der Studiengang bietet examinierten Pflegekräften die Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung. Praxis- und Wissenschaftsorientierung, Interdisziplinarität und ethische Entscheidungsfindung bilden die Grundlagen des, auf die erweiterte Pflegepraxis gerichteten Studienganges mit den Wahlpflichtschwerpunkten Intensivmedizin und Intensivpflege, Anästhesiologie und Anästhesiepflege oder Notfallmedizin und Notfallmanagement."

(unter: http://www.medicalschool-hamburg.de/bachelorstudiengaenge/advanced-nursing-practice/studium/)

Seit 2013 existiert der Studiengang Master Pflege (M.Sc.) ANP an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg. Qualifikationsziel des Studiengangs ist es, wissenschaftsbasierte Pflege in spezialisierten gesundheitlichen Handlungsfeldern durchzuführen, zur wissenschafts- und forschungsbasierten Wissensgenerierung fähig zu sein und fachliche Leitungsaufgaben (Clinical Leadership) übernehmen zu können. Seit der Etablierung des Studiengangs haben 50 Pflegende den Master studiert (https://www.haw-hamburg.de/ws-pem/studiengaenge/master-pflege.html).

Ab Herbst 2017/2018 startet der konsekutive Master-Studiengang "Advanced Nursing Practice" an der Hochschule München. Dieser ist berufsbegleitend aufgebaut und soll in fünf bis sieben Semester studiert werden können. Besonderheit des Studiengangs ist der Schwerpunkt, welcher auf Rehabilitation und Prävention von Pflegebedürftigkeit liegt.

http://www.sw.hm.edu/anp

In Spanien[Bearbeiten]

Das spanische Studium der Gesundheits- und Pflegewissenschaften dauert vier Jahre und schließt mit dem Titel „grado en enfermería“ ab. Es beinhaltet die gleichen Lernfelder wie in der deutschen Ausbildung „Gesundheits- und Krankenpfleger“, dem Schweizer Studiengang und dem dualen Studium „Bachelor of Science in der Pflege". Die spanischen Studiengänge der Gesundheits- und Pflegewissenschaften haben durchschnittlich 240 Credit Points (CP) mit insgesamt 6.150 Zeitstunden. Der theoretische Anteil liegt mit 4.050 Stunden um ein Drittel höher als in der deutschen Ausbildung „Gesundheits- und Krankenpfleger/in“ und mit 2.100 Stunden Praxisanteil liegen die spanischen Studiengänge auf europäischem Spitzenniveau. Lehrplan der medizinischen Fakultät in Sevilla

Literatur[Bearbeiten]

  • Angelika Zegelin (2005): "Pflege studieren- von der Notwendigkeit einer akademischen Pflege "am Bett"?" - Vortrag auf dem Hauptstadtkongress Berlin, 16.6.2005 (Vortag online lesen)
  • Spririg, R.; DeGeest, S. (2004): "Advanced Nursing Practice lohnt sich. Editorial." In: Zeitschrift Pflege 2004;17:233-236
  • Bryant-Lukosius, D.; DiCenso, A.; Brown, G. & Pinelli, J. (2004): "Advanced practice nursing roles: development, implementation and evaluation", in: Journal of Advanced Nursing 48(5), 519-529

Weblinks[Bearbeiten]

Erstes deutsches Netzwerk, welches sich mit der Entwicklung von APN & ANP in Deutschland und Europa beschäftigt. Es wurde an der Fachhochschule Jena von 4 Studentinnen und Studenten des konsekutiven Master Studienganges mit Schwerpunkt Advanced Nursing Practice geründet.

https://www.haw-hamburg.de/ws-pem/studiengaenge/master-pflege.html