Verhaltensauffälligkeit

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Als Verhaltensauffälligkeit wird allgemein unübliches Verhalten bezeichnet, das die betreffende Person selbst und/oder andere in ihrer freien Entfaltung einschränkt. Synonyme: abweichendes oder deviantes Verhalten, Verhaltenskreativität (neudeutscher Euphemismus), Verhaltensstörung (veraltet, abwertend).

Normproblematik[Bearbeiten]

Die Beurteilung individuellen Verhaltens kann nur im Vergleich mit dem Verhalten anderer erfolgen. Jeder von uns hat eine eigene Vorstellung davon, was als "normal" gilt, was als abweichend oder gar einschränkend und störend empfunden wird. Allgemeine Verhaltensnormen können nur festgelegt werden, indem entweder das Verhalten vieler Mitglieder einer Gemeinschaft über einen längeren Zeitraum oder deren Beurteilung bestimmter Verhaltensweisen statistisch ausgewertet wird. Eine Abweichung von solchen Normen ist jedoch auch nicht zwangsläufig Ausdruck einer sozialen/psychischen Störung; Verhaltensbeobachtungen dürfen nur unter Berücksichtigung des situativen Kontexts beurteilt werden:

  • historischer Zusammenhang
  • kulturelle und religiöse/ethische Aspekte
  • Biografie, besondere Lebenserfahrungen
  • Alter, Geschlecht, soziale Rolle/Status

Formen[Bearbeiten]

Mögliche Ursachen[Bearbeiten]

  • "organische und neurophysiologische Faktoren, z.B. Verhaltensstereotypien in Verbindung mit Seh- oder Hörstörungen oder autistischen Störungen
  • Lernfaktoren, d.h. Verhalten als gelernte Reaktion (z.B. aggressives Verhalten als erlernte erfolgreiche Durchsetzungsstrategie)
  • Verhaltensauffälligkeiten als Fortführung/Folge frühkindlich gestörter Beziehungsmuster
  • auffallendes Verhalten als aktiv gesetzte Signale für gestörte Interaktions- und Kommunikationsabläufe in emotional bedeutsamen Beziehungen oder Sozialsystemen
  • Selbstwahrnehmung, Identität und Körpererfahrung, d.h. Verhaltensaufälligkeiten als Störungen des Erlebens und Verhaltens zu sich selbst, vor allem zum eigenen Körper (z.B. Autoaggressionen)
  • "krankmachende" soziale Bedingungen." (Bradl)

Abweichendes Verhalten im Alter[Bearbeiten]

Gerade das Verhalten älterer Menschen wird von (jüngeren) anderen oft als "seltsam" empfunden. Viele denken dann direkt an eine Demenz (z. B. M. Alzheimer). Es muss allerdings bedacht werden, dass sich im Alter viele organische, psychische und soziale Veränderungen ergeben, die ein "von der Norm" abweichendes Verhalten erklären können:

Körperlich[Bearbeiten]

  • neurologisch: Nervenzellen regenerieren sich nur beschränkt, Untergang von Gehirngewebe durch Blutungen, TIA, Schlaganfall etc.
  • Sinnesorgane:
    • vermindertes Sehen/Hören - Kommunikation ist beeinträchtigt, soziale Kontakte gefährdet
    • reduzierter Gleichgewichtssinn, Unfallangst
    • Geschmacks-, Geruch-, Tastsinn, Schmerz- und Temperaturempfinden beeinträchtigt - veränderte Reaktion auf entsprechende Reize
  • Kreislauf: Arterienverkalkung, Varizen u. a. Gefäßveränderungen verursachen Schmerzen, Erschöpfung
  • Stoffwechsel: falsche einseitige Ernährung, Über-/Untergewicht (s. a. Adipositas, Anorexie) oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus können Erschöpfung, Verwirrtheit und gesteigerte Reizbarkeit verursachen
  • Knochen, Gelenke: z.B. Rheuma, Lähmungen führen durch Schmerzen oder Funktionseinschränkungen zu Vernachlässigung sozialer Kontakte, Selbstvernachlässigung,
  • Vergiftung: Medikamente (und Drogen) haben Neben- und Wechselwirkungen (Multimorbidität im Alter)

Psychisch[Bearbeiten]

  • Trauer über den Verlust von Beziehungen (Ehepartner, Freunde sterben) - depressive Symptomatik
  • Lebensbilanz ziehen : "Wie war mein Leben ?", Rückschläge, Fehler, Peinlichkeiten treten wieder mehr ins Bewusstsein - Abwehrhaltung, Depressionen, Zynismus, Schuldgefühle möglich

Sozial[Bearbeiten]

  • Status als RentnerIn, berufliche Beschäftigung, Verdienst und Kontakt zu Arbeitskollegen fallen weg
  • soziale Verpflichtungen (Ernährer, Familienmanagerin) fallen (ersatzlos?) weg
  • weniger Verantwortung/Macht, man wird u. U. weniger respektiert, genereller "Jugendwahn" der Gesellschaft
  • Erinnerung und Gewohnheiten gewinnen an Bedeutung, "einen alten Baum verpflanzt man nicht".

Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten[Bearbeiten]

Verhältnismäßigkeit und (Be-)Handlungsbedarf[Bearbeiten]

Möglicherweise stört sich kaum jemand an seltsamem Verhalten. Wenn es "nur" ungewöhnlich ist, aber weder den Betroffenen selbst noch andere Menschen wirklich beeinträchtigt, ist schlicht Toleranz angebracht (denkbar z.B. bei "seltsamer" Kleidung/Sprache, leichten Stereotypien und Tics).

Ursachen feststellen und behandeln[Bearbeiten]

Symptome kompensieren[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Bradl, Christian: "Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten - ein Schlüsselproblem", erschienen in der Zeitschrift "Geistige Behinderung" 2/1994, zit. aus Verhaltensauffälligkeiten5p- Info-Brief 1997/3 [1]
  • Weitere Literatur zur Bedeutung der Biografie befindet sich nach Thembereichen sortiert in dem
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