Abwasser

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Abwasser ist durch Gebrauch verunreinigtes (bzw. in seinen Eigenschaften oder seiner Zusammensetzung verändertes) Wasser, aber auch das von befestigten Flächen abfließende und gesammelte Niederschlagswasser. Abwässer werden durch die Kanalisation gesammelt und transportiert, in Deutschland praktisch immer in Kläranlagen behandelt und danach in als Vorfluter dienende Gewässer eingeleitet.

Das Abwasser kann mit Hilfe der Wasseraufbereitung gereinigt werden.

Begriffe[Bearbeiten]

Die Definition von Abwasser ist nicht einheitlich und führt immer wieder zu Verwirrungen. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) (Deutschland) definiert den Begriff gar nicht, im Abwasserabgabengesetz wird 'Abwasser' definiert als das

...durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser, sowie das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen abfließende und gesammelte Wasser (Niederschlagswasser). Als Schmutzwasser gelten auch die aus Anlagen zum Behandeln, Lagern und Ablagern von Abfällen austretenden und gesammelten Flüssigkeiten.

In Österreich werden die abwasserrechtlichen Belange im Wasserrechtsgesetz, den Emissionsverordnungen und den Kanalanschlussgesetzen der Bundesländer behandelt. Die österr. Gesetze sind unter http://www.ris.bka.gv.at/ abrufbar.

Abwasser ist der Oberbegriff für mehrere Wasserarten: in den Trockenwetterabfluss und den Niederschlagsabfluss. Der Trockenwetterabfluss wiederum besteht aus Schmutzwasser und Fremdwasser.

  • Trockenwetterabfluss
    • Schmutzwasser
      ist häusliches Abwasser aus Toiletten (Fäkal- oder Schwarzwasser), Sanitäreinrichtungen, Küchen und Waschmaschinen (Wasch- oder Grauwasser (auf engl. Greywater)) und Abwasser aus Betrieben, die in die öffentliche Kanalisation ableiten (gewerbliches oder industrielles Abwasser).
    • Industrieabwasser
      weist meist besondere und starke Verschmutzungen auf, weshalb es oft in industrieeigenen Anlagen behandelt wird, bevor es entweder in die öffentliche Kanalisation oder ein Gewässer abgeleitet wird. Auch aufgeheiztes Wasser aus Kühlanlagen zählt als Abwasser und muss entsprechend behandelt werden.
    • Fremdwasser
      ist zusammen mit dem Schmutzwasser bei Trockenwetter abfließende unverschmutzte Wasser, das eigentlich nicht in die Kanalisation gelangen soll (Grundwasser, Dränwasser).
  • Regenwetterabfluss
    • Bei Regenwetter fließt außer dem oben aufgeführten Trockenwetterabfluss auch
    • Regenwasser (Niederschlagswasser) ab, das in die Kanalisation eingeleitet wird. Da Regen aus der Atmosphäre Staub, Ruß, Pollen und Gase löst und auf Dächern, befestigten und landwirtschaftlichen Flächen vorhandene Staub und Schadstoffe mitschwemmt, können Niederschlagsabflüsse manchmal sehr schadstoffhaltig sein und müssen behandelt werden. Man unterscheidet daher zwischen behandlungsbedürftigem Regenwasser, das in Regenklärbecken oder in Kläranlagen abgeleitet werden muss und nicht behandlungsbedürftigem Regenwasser, das ortsnah in ein Gewässer eingeleitet oder vor Ort versickert werden kann.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Schmutzstoffe im Abwasser liegen in gelöster und ungelöster Form, sowie als organische Verbindungen (Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate) vor. Man unterscheidet die Abwasserinhaltsstoffe in -

  • Zehrstoffe
    Wie etwa Harnsäure, Glukose sind biologisch abbaubar und führen bei anaeroben Abbauprozessen zu Geruchsbelästigungen. Die durch diese Stoffe ausgelöste Sauerstoffzehrung kann darüber hinaus zu reduzierten Sauerstoffgehalten in den Gewässern und dadurch beispielsweise zu Fischsterben führen.
  • Nährstoffe
    Wie etwa Stickstoff- und Phosphorverbindungen, die zur Eutrophierung insbesondere stehender Gewässer führen und auch für verstärktes Algenwachstum in Meeren z.Bsp. in Nord- und Ostsee verantwortlich sind.
  • Schadstoffe
    Wie etwa Gifte, Schwermetalle, synthetische organische Substanzen, Bakterien, Pilze, oder Viren, die zu Erkrankungen führen können.

Abwasserbehandlung[Bearbeiten]

Ziel der Abwasserbehandlung ist eine Beseitigung der Abwasserinhaltsstoffe und eine Wiederherstellung der natürlichen Wasserqualität. Nach §7a des Wasserhaushaltsgesetzes muss Abwasser nach den anerkannten Regeln der Technik behandelt werden. Dies geschieht in Abwasserreinigungsanlagen.

Man unterscheidet dabei mechanische/physikalische, biologische und chemische Reinigungsverfahren, die in der Regel in Kläranlagen in entsprechenden Reinigungsstufen angewandt werden.

Neben der Behandlung in technischen Kläranlagen kann Abwasser unter gewissen Umständen auch auf Rieselfeldern versickert werden, in Mulden abgesetzt, oder in Abwasserteiche sowie Pflanzenkläranlagen eingeleitet werden.

Organisation der Abwasserentsorgung[Bearbeiten]

Für Deutschland gilt:

Der Erzeuger der Abwässer ist für die Entsorgung verantwortlich. Kommunale Gebietskörperschaften sind häufig zu sog. Abwasserzweckverbänden (siehe Zweckverband) zusammengefasst.

Für Österreich gilt:

Die Errichtung und Erhaltung im Betrieb von Abwasserentsorgungsanlagen erfolgt durch Einzelpersonen, Betriebe und Unternehmungen, Wassergenossenschaften, Kommunen sowie Wasserverbände.

Gewässer-Eutrophierung[Bearbeiten]

Der Begriff Eutrophierung bezeichnet einen Anstieg der Trophierung, der Nährstoffzufuhr meist in Gewässern. Durch diesen Anstieg verändert sich die Trophiestufe des Gewässers (von oligotroph über mesotroph, eutroph bis zu hypertroph) und damit auch der Aufbau des Ökosystems.

Die Steigerung der Nährstoffzufuhr (häufig durch Düngemittel bedingt, die in das Gewässer einfließen) führt zu erhöhter Algenproduktion. Diese produzieren Sauerstoff, der allerdings zumeist an die Atmosphäre abgegeben wird, da photosyntheseaktive Algen vermehrt an der Seeoberfläche wachsen.

Eine Zunahme von Algen kann zunächst eine Sauerstoff und Nahrungsanreicherung für das Gewässer bedeuten. Nachts verbrauchen Algen allerdings selbst Sauerstoff, so dass es im ungünstigen Fall zu einer Sauerstoffverknappung (Zehrung) kommen kann, bishin zum Ersticken aller sauerstoffbenötigenden Lebewesen im Gewässer. (Umkippen eines Gewässers)

Absterbendes Biomaterial fällt auf den Grund und bildet dort den Detritus (Faulschlamm). Dieser wird bakteriell abgebaut, was sowohl anaerob (ohne Sauerstoffverbrauch) als auch aerob (mit Sauerstoffverbrauch) geschehen kann. Dabei kann sich ein giftiges Milieu bilden. Bei tieferen Gewässern gibt es eine Sprungschicht, welche eine natürliche Barriere für dieses Milieu darstellt. Ein Sturm oder andere Ereignisse, welche das Gewässer "umrühren", können dazu führen, dass diese Giftstoffe in die obere Wasserschicht gelangen.

Im Sommer ist die Wachstumsrate von Algen wesentlich höher, was im Ungleichgewichtsfall zur Wassereintrübung (weniger Licht = weniger Photosynthese), Sauerstoffverknappung bis hin zum Umkippen des Gewässers führen kann.

Die Folge der Eutrophierung ist ein Umkippen des Gewässers.

Gegenmaßnahmen:

  • Sauerstoffzufuhr: Kurzfristig erfolgreich, da das Artensterben ausbleibt. Langfristig erhöht sich allerdings dadurch auch die Menge des Detritus, wodurch das Gewässer wieder eutroph wird ("positive Rückkopplung").
  • Nährstoffzufuhr einschränken: z.B. durch das Einleiten von Abwässern in andere Gewässer
  • Entfernung von Faulschlamm durch Ausbaggern
  • Entfernung der Algen

Als Nährstoffe gelten z.B. Phosphate, Nitrate und andere (an-)organische Stoffe. Sie gelangen durch Düngung landwirtschaftlicher Flächen oder über Abwässer (z.B. Waschmittel) in die Gewässer.

Maßnahmen zur Vermeidung von Wasserverschmutzung[Bearbeiten]

  • möglichst wenig Wasch- und Putzmittel verwenden
  • wenn möglich biologisch abbaubare Produkte verwenden
  • keine chemischen Rohrreiniger verwenden
  • Wasser vom Autowaschen nicht in den Gully
  • Medikamente nicht in die Toilette werfen
  • keine festen Abfälle in die Toilette werfen
  • kein Streusalz verwenden
  • keine Öle und Fette, Farbreste und Lösungsmittel in den Abfluß




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