Absaugen

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Absaugen ist eine Bezeichnung für das Entfernen von Atemwegssekret oder aspirierten Stoffen mit einem Katheter aus den Atemwegen, meist mit Hilfe eines Absauggerätes, das den erforderlichen Unterdruck erzeugt.



Patienten müssen abgesaugt werden, wenn der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege gestört ist. Das betrifft bei einer Hypersekretion das Bronchialsekret selbst, bei einer Aspiration den Fremdkörper. Ferner wird eine Bronchialtoilette bei Intubation, Tracheotomie und schweren Erkrankungen (Bewusstlosigkeit, Lähmungen, allgemeiner Schwächung, Aspiration) nötig. Es geht immer um das Freihalten der Luftwege im Sinne der Aufrechterhaltung einer guten Oxigenierung (Sauerstoffversorgung des Blutes = pO2) und um die Vermeidung pulmonaler Komplikationen wie Atelektasen und die Aspirationspneumonie.

Abgesaugt wird mit atraumatisch ausgerüsteten Absaugkathetern (Katheter), anderen speziellen Absaugkathetern und auch bronchoskopisch (Bronchoskopie). Für alle Absaugvorgänge braucht man ein Vakuum, das mittels eines Absauggerätes hergestellt wird.


  • Absaugen reizt die Schleimhäute und regt die Schleimproduktion an:
--> Je häufiger abgesaugt wird, desto mehr Schleim wird produziert! (Circulus Vitiosus).
  • Aseptisches und atraumatisches Arbeiten sind Grundvoraussetzungen beim Absaugen


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Absaugtechniken

[Bearbeiten] Absaugen im Rachenraum

[Bearbeiten] orales Absaugen

Beim Absaugen von Atemwegssekret oder aspirierten Stoffen durch den Mund kann leicht Brechreiz ausgelöst werden, daher sollte nur die Mundhöhle abgesaugt werden.

[Bearbeiten] transnasales Absaugen

Das Absaugen von Atemwegssekret oder aspirierten Stoffen durch die Nase ist die geeignetere Methode für das Absaugen aus dem Rachenraum.

[Bearbeiten] Absaugen in Trachea oder Bronchien

[Bearbeiten] endotracheales Absaugen

Das Absaugen von Atemwegssekret oder aspirierten Stoffen aus der Luftröhre wird in der Regel über einen Endotrachealtubus oder eine Trachealkanüle durchgeführt.

[Bearbeiten] bronchoskopisches Absaugen

Atemwegssekret oder aspirierte Stoffe werden mit einem Endoskop während der Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) abgesaugt.

[Bearbeiten] Geschlossene Absaugsysteme


Geschlossene Absaugsysteme werden zwischen einem Endotrachealtubus bzw. einer Trachealkanüle und dem Beatmungsgerät eingesetzt. Den nötigen Sog erzeugt eine Vakuumanlage.

[Bearbeiten] Indikationen

Die Indikationen zur geschlossenen endotrachealen Absaugung haben ihre Begründung in der Beatmungstherapie, der Hygiene und basieren letztendlich auf dem Krankheitsbild.

So werden diese Systeme in folgenden Fällen eingesetzt:

Durch die Verwendung des geschlossenen Absaugsystems können Diskonnektionen und die so entstehenden Probleme vermieden werden (keine Unterbrechung der Ventilation unter einer Beatmung).

Zieht man die Pflegediagnosen als Kriterium für den Einsatz einer geschlossenen Absaugung heran, so sind folgende vordringlich:

  • ungenügender Atemvorgang
  • Entwöhnung vom Respirator (Beatmungsgerät)
  • ungenügende Freihaltung der Atemwege
  • Beeinträchtigung des Gasaustausches
  • ungenügende Spontanatmung
  • Erstickungsgefahr
  • Aspirationsgefahr
  • Infektionsgefahr.

Befindet sich der Patient im Sterbeprozess und wird "nur" noch palliativ behandelt, wird nur bei (drohender) Verlegung der Atemwege abgesaugt.

[Bearbeiten] Prinzipien für alle Formen des Absaugens

Grundvoraussetzung ist das aseptische und atraumatische Arbeiten. Zu berücksichtigen ist, dass Absaugen eine Belastung für den Patienten bedeutet und als unangenehm empfunden wird.

  1. Beim Absaugen sollte immer eine zweite Pflegekraft anwesend sein, um die Hygiene zu gewährleisten und bei Problemen eingreifen zu können.
  2. Das Absaugen muss aseptisch erfolgen, jedesmal wird ein neuer Absaugkatheter (AK) verwendet.
  3. Der Katheter ist aus einem weichen Material, um dadurch Verletzungen der Luftröhre zu vermeiden (Perforationsgefahr).
  4. Der Katheter sollte etwas erwärmt sein.
  5. Der Absaugkatheter wird ohne Sog eingeführt und mit leichter Drehbewegung unter Sog herausgezogen.
  6. Nicht gegen Widerstand schieben.
  7. Beim Absaugen muss eine Hypoxie (O2-Mangel im Gewebe) vermieden werden.
  8. Durch das Absaugen kann es zu einer Zyanose und damit verbunden zu einer Unruhe des Patienten kommen, daher Pausen einlegen!
  9. Kontrolle des Atemminutenvolumens mit Volumeter, falls Atmung ausfällt.
  10. Vor allem Patienten mit Krampfneigung sind gefährdet.
  11. Merke: Zügig und korrekt arbeiten! Ein Absaugintervall darf nie länger als 20 Sekunden dauern, da der Patient während des Absaugens nicht atmen kann und die vorhandene Luft aus der Lunge gesogen wird.
  12. Die Häufigkeit des Absaugens hängt von der Menge und Beschaffenheit des Sekrets ab. Es wird so lange (mit den notwendigen Atempausen) abgesaugt, bis der Atemweg wieder frei ist. Daher sollte zwischendurch das Gerät abgestellt werden, um das Atemgeräusch hören zu können.

[Bearbeiten] Komplikationen

  • Infektion der Atemwege, begünstigt durch unsteriles Arbeiten oder Verschleppung von Erregern aus den oberen in die unteren Atemwege
  • Verletzung der Atemwege wie Schleimhautverletzungen durch den Katheter bis hin zur Perforation (z.B. Nasennebenhöhlen)
  • Vagusreizung mit Bradykardie, Rhythmusstörungen, Erbrechen (Aspirationsgefahr!)
  • Sauerstoffmangel, der mit Zyanose und Unruhe des Patienten einhergeht (Achtung besonders bei krampfgefährdeten Patienten !!)

[Bearbeiten] Durchführung

[Bearbeiten] Vorbereitung

Material:

Fingertip zum intermittierenden Absaugen
  • Absauggerät bzw. Absaugeinrichtung
  • Sterile Absaugkatheter in verschiedenen Größen (10-16 Charriere / 3 Ch. = 1 mm)
  • Fingertip/Absaugkatheter
  • Sterile, physiologische NaCl 0,9 %-Lösung zum Anfeuchten/Durchspülen des Katheters oder Aqua destillata
  • Bei Bedarf HME-Filter oder Feuchte Nase (zum Auswechseln im Anschluss an das Absaugen)
  • Unsterile Handschuhe (Eigenschutz) und sterile Handschuhe (Patientenschutz)
  • Evtl. Handtuch
  • Abwurfmöglichkeit


Patient

  • Information über Sinn und Zweck geben, auch narkotisierten bzw. komatösen Patienten!
  • Hinweis geben, dass es ein unangenehmes Gefühl ist oder evtl. Schmerz bereitet; dabei auf Wortwahl achten
  • Nach Möglichkeit Oberkörperhochlagerung einrichten
  • Bei offensichtlicher Verschmutzung/Verlegung Mund und Nase reinigen
  • Bei geplantem nasalen Absaugen Gleitmittel an Katheter oder Nasenspray ins Nasenloch einbringen
  • Vor jedem Absaugen den Patient tief ein- und ausatmen lassen

[Bearbeiten] Durchführung

endotracheales Absaugen

  • Patienten beruhigen/informieren
  • Hände desinfizieren
  • Absaugkatheter auf das Zwischenstück aufstecken und ihn zunächst in der Packung belassen
  • sterile Handschuhe anziehen , laut Bundesgesundheitsblatt sind keimarme Handschuhe ausreichend (Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch -Gesundheitsschutz 2005 • 48:1061–1080 DOI 10.1007/s00103-005-1126-2 © Springer Medizin Verlag 2005) wenn die Non-Touch-Technik verwendet wird (Non Touch = Nicht berühren des einführenden Absaugschlauch-Teils)
  • Zwischenstück aufnehmen, Absaugkatheter aus der Hülle gleiten lassen und mit der sterilen Hand trickreich schlaufenförmig fassen (dient der Sicherstellung der Hygiene)
  • Sterilen Absaugkatheter oral, nasal oder über die Tracheostomaöffnung ohne Sog einführen, langsam bis zum Zielgebiet vorschieben, auf evtl. Widerstände achten; bei Widerstand abbrechen, mit neuem Katheter erneut versuchen, bei erneutem Widerstand Info an den Arzt
  • Sog herstellen und Absaugkatheter unter Sog mit leicht drehenden Bewegungen zurückziehen; evtl. Sog mit Hilfe des Fingertips intermittierend (unterbrochen) einsetzen, um eine Anhaftung der Schleimhaut zu vermeiden (Verletzungsgefahr).
  • Vorgang darf nicht länger als 15 bis 20 Sekunden dauern
  • Absaugvorgang falls erforderlich wiederholen, bis Sekretfreiheit besteht, dabei "Verschnaufspausen" beachten
  • Atmung bzw. Klinik des Patienten während des Absaugens kontrollieren, evtl. Puls messen bzw. Systolen-Ton beim Monitoring laut(er) stellen
  • Abschließend eventuell durch Hustenreiz in den Mund befördertes Sekret absaugen (mit dem gleichen Absaugkatheter)

[Bearbeiten] Nachsorge

  • Schlauch des Absaugers schlüfernd (Venturi-Effekt ausnutzend) durchspülen (klares Wasser aspirieren, bis keine groben Verunreinigungen mehr zu erkennen sind)
  • Gebrauchten Absaugkatheter um die Hand wickeln, Handschuh darüber ziehen und entsorgen
  • Auffanggefäß bei Erreichen der Füllmarke, mindestens jedoch einmal täglich, leeren und reinigen

[Bearbeiten] Dokumentation

Dokumentiert werden:

  • Zeitpunkt und Häufigkeit des Absaugens
  • Reaktion des Patienten (Abwehr, Zyanose, Erbrechen)
  • Menge, Farbe, Konsistenz des Sekrets (Beimengungen)

[Bearbeiten] Siehe auch

Persönliche Werkzeuge