1. Grundbegriffe und Anwendungsgebiete der Psychologie

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Psychologie als Wissenschaft[Bearbeiten]

Psychologie[Bearbeiten]

Die Psychologie ist die Lehre vom Erleben und Verhalten des Menschen. Sie ist eine empirische Wissenschaft und geht vom 19. Jahrhundert aus. Sie besteht aus vielen Teildisziplinen z. B.: Statistik, allgemeine Psychologie (Wahrnehmungspsychologie, Lernpsychologie), differentielle Psychologie (Persönlichkeitspsychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie) und angewandte Psychologie.

Ziel und Aufgabe der Psychologie[Bearbeiten]

Ziel und Aufgabe der Psychologie ist, das Beobachtete zu beschreiben, Erklärungen für ein Verhalten zu geben und das Verhalten in ein Beziehungsgefüge einzuordnen (= bewerten und interpretieren).

Erleben[Bearbeiten]

Von außen nicht beobachtbare Vorgänge im Menschen (z. B.: Gefühle, Stimmungen). Wegen der fehlenden Technik konnte früher nur der betreffende Mensch psychologische Vorgänge in sich selbst wahrnehmen. Als Methode wurde daher (und wird heute noch) die Selbstbeobachtung (= Introspektion) angewandt (z. B. Aufschreiben von Träumen). Mit Hilfe moderner Technik kann man das Erleben auch objektiv beobachten (siehe EEG, MRT, CT). Allerdings sind das Daten, die noch interpretiert werden müssen. Dazu braucht es wieder die Mithilfe jener Person, von der die Daten stammen.

Verhalten[Bearbeiten]

Reaktionen auf Reize, die von außen kommen. Als Methode zur Erforschung der Gründe von Verhaltensweisen wird die Selbst- und Fremdbeobachtung angewendet (s.u. "Gegenstand der Psychologie").

Gegenstand der Psychologie[Bearbeiten]

Psychologie ist die Wissenschaft, die sich mit dem menschlichen Erleben, dem Verhalten und dem sich auf das Erleben und Verhalten beziehenden Bewerten bzw. Interpretieren befasst.

  • Erleben als Beobachtung an sich selbst
  • Verhalten als Beobachtung fremden Personen
  • Interpretieren als Reflexion des eigenen Tuns oder des beobachteten Verhalten

Begriffserklärungen[Bearbeiten]

Psychotherapie:

Ein Sammelbegriff für viele Techniken und Methoden zur Behandlung psychisch Kranker. Es gibt Gruppen- und Einzelbehandlungen. Ein Psychotherapeut braucht eine eigene Ausbildung, die ca. zwei bis fünf Jahre dauert.

Psychoanalyse:

Eine Form des Psychotherapie; erste tiefenpsychologische Therapieform, die auf den Psychiater Sigmund Freud zurückgeht.

Psychiatrie:

Teilgebiet der Medizin. Die Teilgebiete der Psychiatrie teilen sich wiederum auf in:

Die Psychiatrie umfasst als ärztliches Fachgebiet alle Maßnahmen der Erkennung, der nicht operativen Behandlung, der Prävention, der Rehabilitation und der Begutachtung bei psychischen Krankheiten oder Störungen sowie bei psychischen und sozialen Verhaltensauffälligkeiten.

Psychosomatik:

Lehre von der Wechselbeziehung zwischen psychischen Störungen und körperlichen Leiden. Seelische Konflikte können sich in Form von somatischen Beschwerden (Magenbeschwerden, Kopfweh) auswirken. Ganzheitlich ausgerichtete Heilverfahren gehen davon aus, dass sehr viele Erkrankungen auf Grund einer psychischen Disharmonie entstehen. Aber man darf die psychologische Ebene als mögliche Ursache von Krankheiten nicht alleine verantwortlich machen. Es sind auch zusätzlich die genetische Ebene und die Ebene der Umweltbedingungen ausschlaggebend, das heißt dass man alle drei Ebenen als gleichwertig ansehen sollte und alle drei gemeinsam auch miteinbeziehen und berücksichtigen sollte, wenn man nach einer Ursache für eine Krankheit sucht.

Anwendungsbereiche[Bearbeiten]

Klinische Psychologie

Beschäftigt sich mit psychischen Abweichungen und Verhaltensauffälligkeiten sowie mit den entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten. Ein Klinischer Psychologe befasst sich mit der Diagnostik, Beratung und Behandlung von psychischen Störungen und vermehrt auch mit Krankheiten wie z.B. Krebs, die psychische Belastungen und Krisen der PatientInnen hervorrufen können. Er/Sie arbeitet in Krankenhäusern.

Gesundheitspsychologie

Beschäftigt sich mit der Erarbeitung und Umsetzung von Gesundheitskonzepten, also mit Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung, Prävention von Krankheiten, Beratung und Behandlung (z.B. Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Drogen …). Er geht auf somatische Störungen ein. Der Gesundheitspsychologe ist oft in freier Praxis tätig.

Richtungen der Psychologie[Bearbeiten]

Das Ziel der wissenschaftlichen Psychologie ist, Verhalten und Erleben zu beschreiben, zu erklären und zu kontrollieren. Es gibt verschiedene Perspektiven, die die Psychologie beschreiben.

Behaviorismus auch Verhaltenspsychologie:

Behaviorismus wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts vom Amerikaner John B. Watson (1878 – 1958) begründet. Seiner Ansicht nach wird das Verhalten des Menschen durch Umweltbedingungen beeinflusst. Diese Perspektive befasst sich aber nicht mit den Begriffen wie „Bewusstsein“, „Erleben“ und „Unbewusstes“. Der Behaviorismus untersucht das äußere Verhalten und die Reaktion des Menschen. Der Begründer J.B. Watson ist der Meinung, dass Verhalten die menschliche Reaktion auf Reize der Umgebung/Umwelt ist. Das nachfolgende Beispiel befasst sich mit dem Reiz-Reaktionsprinzip: Jemand sieht ein Plakat mit Eiswerbung (= Reiz) diese Information verarbeitet er (ihm läuft das Wasser im Mund zusammen) und schließlich reagiert er auf diesen Reiz, indem er sich ein Eis kauft. Aber Behaviorismus befasst sich auch mit dem R-S-Lernen (Belohnungslernen; eine Reaktion wird mit einem Stimulus belohnt oder bestraft). Dieses Lernprinzip wird in den Tokensystemen näher beschrieben.

Tokensysteme

Wenn man belohnt wird für bestimmte Leistungen, steigert sich die Leistungsfähigkeit und Schwächen (z.B.: Leseschwierigkeiten) können vermindert werden.

1966 berichtete Whitlock (ein Psychologe) von einem Experiment, in welchem ein Knabe mit Leseprobleme für jede richtige Reaktion eine Spielmarke erhielt und jede korrekte Reaktion wurde verstärkt (positive Rückmeldung). Nach kurzer Zeit wurden die Belohnungen zwar reduziert, aber die Leseleistung hat sich kontinuierlich gesteigert.

Kognitive Psychologie:

Kognition ist die Bezeichnung von Denkprozessen, Informationsverarbeitung und sinnvoller Einordnung der Information und Anwendung in Bezug auf das Verhalten. Im Gegensatz zum Behaviorismus wird in der kognitiven Psychologie, das äußere Verhalten von Verstehen und Einsicht geleitet. Bevor der Mensch auf Umweltreize reagiert, verarbeitet er diese und handelt danach.

Die Humanistische Psychologie

„Menschen sind aktive Wesen, von Natur aus gut und fähig, ihren eigenen Weg zu wählen. Sie streben nach dem Guten und nach der Verwirklichung ihrer Möglichkeiten, suchen nach Veränderungen, planen ihr Leben und geben ihm eine Struktur, um eine optimale Selbstverwirklichung zu erreichen“.

Zimbardo (1996); Psychologie

Die Humanistische Psychologie wurde u.a. von Abraham Maslow begründet. Seiner Ansicht nach wird menschliches Verhalten weder von Umweltreizen noch von biologischen Trieben beeinflusst. Humanistische Psychologie sieht den einzelnen Menschen als ein Individuum, mit einzigartigen Werten, Normen und Bedürfnissen. Der Mensch wird von der Sicht, dass er Fähigkeiten hat, dass er selbst Entscheidungen treffen kann und seinen eigenen Weg geht, gesehen. Nach Maslow versucht der Mensch den Sinn des Lebens zu finden und im Laufe seines Lebens seine Bedürfnisse zu decken. --> Bedürfnispyramide. Im Humanistischen Modell werden Störungen in Sinnfindungen und Selbstverwirklichung untersucht.

Tiefenpsychologie

Tiefenpsychologie beschäftigt sich mit der Tiefe der Psyche. Tiefenpsychologie wurde von Sigmund Freud (1856-1939) begründet. Bei seiner Theorie wird auf das „Unbewusste“ und die „Tiefe“ des Menschen aufmerksam gemacht. Seiner Meinung nach wird das menschliche Verhalten durch Triebkräfte gesteuert. Bei nicht oder nur unzureichender Befriedigung der Triebe können psychische Störungen entstehen. Inhalte im Leben, die wir verdrängen oder nicht wahrnehmen, können durch Träume oder Fehlleistungen (z.B.: Versprechen, Verlesen, Vertauschen, Vergessen ...) ins Bewusstsein, also an die Oberfläche kommen.

Gestaltpsychologie

Gestaltpsychologie ist ein Teilbereich der Psychologie, der sich mit der Wahrnehmung des Menschen beschäftigt.

Berufe[Bearbeiten]

Bei psychischen Störungen bieten Psychologen, Psychiater, Psychotherapeuten, Psychoanalytiker und Fachärzte für psychosomatische Medizin Hilfe an.

Psychiater:

Der Psychiater hat ein Medizinstudium und eine Facharztausbildung in der Psychiatrie abgeschlossen.

Facharzt für Psychosomatik und psychotherapeutische Medizin:

Um als Facharzt für Psychosomatische Medizin tätig zu werden, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit: 3 Jahre Psychosomatische Medizin, wovon 2 Jahre im Stationsdienst abgeleistet werden müssen. 1 Jahr Psychiatrie und Psychotherapie, hierauf anrechenbar sind 1/2 Jahr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder Medizinische Psychologie oder Medizinische Soziologie. 1 Jahr Innere Medizin, hierauf anrechenbar sind 1/2 Jahr Dermatologie oder Gynäkologie oder Neurologie oder Orthopädie oder Pädiatrie. Zwei Jahre dürfen zudem bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden. Die psychosomatische Medizin ist das medizinische Pendant zur psychologischen Psychotherapie, somit steht die Kommunikation hier noch einmal zentraler als in der Psychiatrie. In ihr steht die Diagnostik und Behandlung von Patienten mit psychosomatischen Beschwerden, neurotischen Störungen oder Persönlichkeitsstörungen im Mittelpunkt.

Psychologe:

Absolvent der Uni der Studienrichtung Psychologie. Nur ein Psychologe, der eine Zusatzausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten hat, darf psychotherapeutisch tätig werden.

Psychotherapeut:

Um ein Psychotherapeut zu werden, ist eine Ausbildung und Berufserfahrung vorausgesetzt (z.B. ein Arzt oder ein Psychologe mit einer erfolgreichen Absolvierung einer therapeutischen Zusatzausbildung wird Psychotherapeut genannt). Die Zusatzausbildung wird praktisch durchgeführt. Ein Psychotherapeut ist berechtigt eine psychotherapeutische Behandlung durchzuführen.

Psychotherapie:

Durch Anwendung psychologischer Mittel werden psychische bzw. psychosomatische Probleme behoben bzw. kompensiert.

Psychoanalytiker:

Ein Arzt oder ein Psychologe mit einer psychoanalytischen Zusatzausbildung wird als Psychoanalytiker bezeichnet. Die Psychoanalyse ist die älteste der psychodynamischen Therapien. Die wurde von Sigmund Freud entwickelt.

„Bei der psychoanalytischen Therapie handelt es sich um eine intensive und zeitaufwendige Technik zu Erkundung unbewusster Motivationen und Konflikte bei neurotischen und angstgeplagten Menschen. Das Hauptziel der Psychoanalyse ist, Unbewusstes bewusst zu machen.“

Quelle: Merksatz aus: Zimbardo (1996)

Quellenverzeichnis[Bearbeiten]

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