1.4 Bedürfnisse und Motivation

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Bedürfnisse & Motivation[Bearbeiten]

Motiv[Bearbeiten]

Beweggrund, Antrieb

Motivation[Bearbeiten]

Die innere Bereitschaft für ein Verhalten

Der Begriff Bedürfnis kennzeichnet als Motivauslöser den empfundenen Mangelzustand (Deprivation), der zunächst nicht auf ein Ziel gerichtet ist. Erst durch (mehr oder weniger gefühlsmäßige und gedankliche) Verarbeitung dieser Empfindung erlangt ein Bedürfnis Motivqualität.

Motivation[Bearbeiten]

Es handelt sich dabei um einen inneren Vorgang und wird auch als Antriebskraft umschrieben, die unser Verhalten in Gang setzt und steuert, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Damit ein Mensch die für ihn wichtigen Bedürfnisse befriedigen kann, sollte er für sich gute Lebensumstände schaffen. Zum Beispiel eine Wohnung, gute Freunde, hohes Einkommen usw. Es gibt auch Menschen, die zu viele oder zu hoch gesteckte Bedürfnisse haben und diese mitunter nicht mehr erreichen können. Letztere sollten sich überlegen, welche Bedürfnisse für sie am Wichtigsten sind, sich auf diese konzentrieren und befriedigen. An der Motivation sind unsere Motive beteiligt, das sind dann die „Beweggründe“ unseres Verhaltens. Zum Beispiel: Drei Menschen, die dasselbe Verhalten zeigen, können durchaus unterschiedliche Motive haben. Ein Mensch lernt wegen der Belohnung, ein Mensch lernt aus Interesse und ein weiterer lernt wegen der angedrohten Strafe.

Arten von Motivation:[Bearbeiten]

Bei der Motivation wird zwischen biologischen (angeborenen) Motiven („biologische Triebe“) und psychologischen bzw. sozialen (erlernten) Motiven unterschieden. Biologische Motive sind zum Beispiel Hunger, Essen, Wärme ... Ein psychologisches Motiv ist zum Beispiel der Drang nach Aktivität. Bestes Beispiel dafür ist Robinson Crusoe:

Obwohl sein Vater dagegen war, fuhr der junge Robinson Crusoe auf See. Er wurde jedoch von Piraten gefangen genommen und strandete bei einem Unwetter auf einer einsamen Insel. Robinson baute sich eine Hütte, fing an Getreide anzubauen, jagte Tiere und stellte Kleidung selbst her. Er führte Selbstgespräche und glaubte wieder an Gott. Auf der Insel lebten auch Kannibalen und Robinson rettete ein Schlachtopfer vor den Tod und nannte ihn „Freitag“. Er brachte ihm die englische Sprache und christliche Lebensweise bei. Nach 28 Jahren kam ein englisches Schiff vorbei und Robinson Crusoe kehrte nach England zurück. Als Crusoe nach ein paar Jahren zurückkehrte, erfuhr er, dass die Spanier die Kannibalen getötet hatten und dass seine Plantagen ihm ein kleines Vermögen eingebracht hatte.

Soziale Motive sind zum Beispiel soziale Anerkennung, altruistische Motive (anderen zu helfen), Nähe zu anderen Menschen ...

Biologische werden von Lernprozessen und kulturellen Faktoren beeinflusst. Zum Beispiel Essmotive. In den verschiedenen Kulturen und Ländern gibt es verschiedene Essgewohnheiten und Nahrungszusammenstellungen.

Eine andere Einteilung teilt in Mangel- und Überflussmotivation ein. Man beruft sich dabei auf vier „allgemeinste Ziele menschlichen Verhaltens“: Selbsterhaltung, Sicherheit, Befriedigung und Anregung.

Mangelmotivation:[Bearbeiten]

Ist auf die Selbsterhaltung und Sicherheit gerichtet. Die Mangelmotivation zielt darauf Mängel (z.B. Hunger), Störungen (z.B. Krankheiten) zu beheben und Gefahren, Bedrohungen und Angst zu vermeiden. Ein psychologischer Mangel ist ein Mangel an bestimmten Verhaltenskontakten. Zum Beispiel Liebe, Zuneigung, Schutz, Geborgenheit, ... Angestrebt wird eine Spannungsverminderung.

Überflussmotivation:[Bearbeiten]

Ist auf die Befriedigung und Anregung gerichtet. Das Bestreben liegt darin, angenehme Erlebnisse zu haben, Befriedigung zu erlangen, zu wissen, verstehen, lernen und entdecken, Neues zu suchen und zu schaffen und etwas zu leisten. Meist wird ein Spannungszustand gesucht.

Auslösung von Motiven:[Bearbeiten]

Motive können durch:

  • Körperliche Vorgänge ( z.B. Hungergefühl)
  • Äußere Reize ( z.B. köstlich duftende Speise, Werbung, Plakate)
  • Gedanken und Vorstellungen

wachgerufen werden.

Triebfeder menschlichen Handelns[Bearbeiten]

Nur wenn unsere Bedürfnisse auf eine Art und in einem bestimmten Umfang befriedigt werden, sind wir in der Lage einen Zustand von körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens zu erreichen und zu erhalten.

Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow geht bei seiner Bedürfnisspyramide (-hierarchie) davon aus, dass

"Der Mensch zuerst die Bedürfnisse der niedrigen Stufe zu befriedigen versucht, bevor die nächsten Stufen für ihn Bedeutung erlangen“

Pyramide.jpg

Am Beispiel eines Patienten kann man sehen, dass sich seine Bedürfnisse, sobald er ins Krankenhaus kommt, anders widerspiegeln als wie im privaten Umfeld zuhause.

Der Mensch hat bestimmte Bedürfnisse, die bei seiner Pflege beachtet und respektiert werden müssen.

Weitere Vertreterinnen von Theorien über menschlichen Bedürfnisse sind:

Virginia Henderson:
Sie definierte 14 Bedürfnisse, die unter Beachtung der Selbstständigkeit des Patienten von deren Pflegepersonen berücksichtigt werden sollten.

Nancy Roper:
Sie formulierte Grundbedürfnisse als Lebensaktivität. „ Aktivitäten führt jeder aus, jeder jedoch auf seine Weise.“

Dorothea Orem:
Sie definierte, anhand der Maslowschen Hierarchie, die Bedürfnisse eines pflegebedürftigen Kranken. Sie sieht den Patienten als Selbstpfleger: „Die Pflegeperson hat die Pflegedefizite des Patienten festzustellen und hat in der Pflege die Aufgabe, diese voll oder teilweise zu beseitigen.“

Orem (US-amerikanische Krankenschwester, Pflegetheoretikerin und Unternehmerin) definierte die Bedürfnisse bei Krankheit so:

  1. bei bestehenden oder entstehenden Gesundheitsstörungen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
  2. in die betreffende Störung Einblick und Information gewinnen.
  3. Die effektive und wirksame Durchführung mit den vorgeschriebenen Maßnahmen zu Diagnose, Therapie und Genesung
  4. Die Erkennung und Behandlung von möglichen Beschwerden oder Nebenwirkungen durch vorgeschriebene medizinische Maßnahmen
  5. Anpassung des Selbstbildes an die Gesundheitsstörungen und die damit zusammenhängenden Therapien
  6. Die persönliche Weiterentwicklung und Reifung, die durch die Folgen der Erkrankung und die damit verbundenen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen entstehen, zu lernen

Dabei sollten nie die Bedürfnisse des Patienten bei Krankheit außer Acht gelassen werden, die in folgende Punkte eingeteilt werden können:

  1. Gesund zu werden und Umsorgt zu sein
  2. Med. Versorgung und Nahrung sowie der soziale Kontakt
  3. Pflege, Ruhe, Mitleid/ mitfühlen, psychologische Betreuung
  4. Die Eingliederung in den Alltag

Damit sich keine Unklarheiten mit der Definition "Krankheit" auftun, möchte ich nun das Synoym Krankeit nach dem medizinischen Lexikon "Springer" erläutern.

Synonym: Erkrankung, Morbus

„Durch subjektive oder objektive Symptome gekennzeichnete körperliche, geistige oder seelische Veränderung oder Störung“

Im nachfolgenden Artikel werden unter dem Aspekt von Bedürfnisse und Motivation folgende Themen behandelt die wie folgt lauten:

Reaktanz und Erlernte Hilflosigkeit[Bearbeiten]

Unter Reaktanz versteht die Psychologie folgende Definition:[Bearbeiten]

Reaktanz (Widerstand) tritt immer dann auf, wenn sich Menschen in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Sie reagieren dann oftmals mit (verbotenen) Handlungen, die ihre individuelle Freiheit wieder herstellen oder zumindest symbolisieren soll. Auf diese Weise möchte die betroffene Person seine Freiheiten zurückerobern, auch wenn dies gegebenfalls nicht mehr möglich ist. Typisch für die Reaktanz ist eine Aufwertung der eliminierten Alternative, das heißt gerade diejenigen Freiheitsgrade, die der Person genommen wurden, nun von der Person als besonders wichtig erlebt und gesehen. Im Extremfall kann es sein, dass die Person vor Eintreten der Beschränkung dieses Verhaltensschema nie an den Tag gelegt hat.

Erlernte Hilflosigkeit wird folgendermaßen erklärt:[Bearbeiten]

Erlernte Hilflosigkeit ist ein kontinuierliches Versagen, dass eine Person davon abhält Erfolgserlebnisse zu erleben. Dieses Modell bietet eine Möglichkeit, Depressionen zu erklären. Erlernte Hilflosigkeit verleitet Personen dazu, persönliche Entscheidungen als irrelevant wahrzunehmen. Dieses Verhalten tritt auf, wenn Ereignisse erlebt werden, in denen sich die betroffene Person hilflos fühlt oder tatsächlich hilflos ist.

Beispiele dafür sind:

Krieg, Behinderungen jeglicher Art, Hungersnot, Dürre, Gefangene von Konzentrationslagern und Arbeitslagern. Die moderneren Modelle finden sich zum Beispiel in psychiatrische Anstalten und Pflegeheimen wieder, wo Patienten lange handlungsunfähig waren, und dies wiederum zu bleibenden Minderwertigkeitskomplexen führten.

Nicht jeder Patient muss Zwangsläufig auf Depressionen mit einer Art der Hilflosigkeit reagieren. Es ist möglich und geht nicht mit Depressionen einher. Laut Dr. Martin E. P. Seligman kann man den Zustand der erlernten Hilflosigkeit in drei Probleme einteilen:

  • persönlich: Patient sieht sich selbst als Problem.
  • generell: Das Problem wird allgegenwärtig gesehen und betrifft alle Aspekte des Lebens.
  • permanent: Das Problem wird als unveränderlich angesehen.

Bei dem Syndrom des BURNOUTS treten beide Modelle auf. In den ersten Stadien wird das Modell der Reaktanz stark deutlich, und kann bei Nichtbehandeln sehr schnell und schleichend in das Modell der erlernten Hilflosigkeit übergehen.

Besonders stark bemerkbar wird bei sterbenden Patienten das Verhalten von Reaktanz und erlernte Hilflosigkeit, wenn man den Vorgang und das Verhalten des Sterbens nach der Theorie von Elisabeth Kübler Ross betrachtet.

1. Das nicht Wahr haben wollen

In dieser Zeit wird die Diagnose und der Prozess des Sterbens nicht wahrgenommen und verdrängt. Typisches Verhalten der Patienten ist es, wenn ihnen eine Gewohnheit aus ihrem Leben genommen wird (z.B.: Rauchen) und die Patienten trotzdem mit der Gewohnheit weitermachen.

2. Phase der Auflehnung

Bei dieser Phase werden alle Menschen als Feinde betrachtet. Alles was von den „Feinden“ getan oder gesagt wird, wird grundsätzlich falsch, anders, oder genau entgegengesetzt gemacht.

3. Verhandeln um das Überleben

Patienten beginnen mit Ärzten, Krankenpflegepersonal und ihrem Glauben verbundenen Gott oder Göttern zu verhandeln und zu feilschen. Es gibt kaum eine genaue Abgrenzung zur nächsten Stufe, da die Patienten in Depressionen verfallen.

4. Depression

In dieser Phase fehlt den Patienten jeglicher Antrieb. Bei diesem und dem vorherigen Abschnitt wird das Verhalten der erlernten Hilflosigkeit sehr stark bemerkbar.

5. Zustimmung

Im letzten Abschnitt eines jeden Menschen nimmt dieser sein von Geburt an vorbestimmtes Schicksal an. Anfangs kann es noch für die Menschen erschreckend sein, was sie wiederum zu einem reaktanten Verhalten als auch zum Verhalten der erlernten Hilflosigkeit verleitet.

Wichtig ist es, in diesem Abschnitt des Lebens eines jeden Menschen, den Mensch als Mensch zu sehen und niemals als Sterbenden.

Bei ihrem Phasenmodell wird ersichtlich, dass die ersten Phasen ein reaktantes Verhalten aufweisen und mit Hilfe dieses Verhalten, der Tod verdrängt wird. Gegen Ende des Phasenmodells, wird ersichtlich, dass der Patient auf das Modell der erlernten Hilflosigkeit zurückgreift, um so eine Erklärung zu finden.

Für uns Pflegepersonen ist es besonders wichtig, dass wir wissen, wie sich der Patient verhalten kann in dieser Situation, und dass wir auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen. Es hat keinen Sinn und es wäre moralisch als auch ethisch nicht vertretbar, wenn wir versuchen würden, den Prozess des Sterbens zu beeinflussen, ihn zu steuern oder gar stoppen zu wollen. Es ist ein Vorgang im Leben eines jeden Menschen, dass er sterben muss. Allerdings können und müssen wir als Pflegepersonen ein würdevolles Sterben ermöglichen. Daher ist es wichtig die Definitionen und die Äusserungen von Reaktanz und erlernte Hilflosigkeit zu kennen.

Interview über Bedürfnisse und Motivation:[Bearbeiten]

Am 5. Dezember des Jahres 2006 führten wir ein Interview mit Schwestern der Station 3A Dermatologie und Geschlechtskrankheiten über unseren Arbeitsbereich BEDÜRFNISSE UND MOTIVATION.

Wir fragten die Schwestern, welche Beweggründe sie hatten, Krankenschwestern zu werden. Wir erfuhren, dass die Arbeit im sozialen Bereich an erster Stelle steht, sei es in der Arbeit oder im privaten Sektor. So treten Familie und Haustiere im privaten Bereich an erste Stelle. Für die anderen Schwestern ist die Abwechslung in der Arbeit wichtiger.

Auf unsere Frage, ob es leicht sei die Patienten zu motivieren bekamen wir interessante Antworten. Die älteren Schwestern machten schnell und sehr deutlich klar, dass man viel Geduld mit den Patienten haben muss. Es bringt nichts, wenn man mit den Menschen schimpft, sollten sie etwas falsch oder langsamer machen, da sie sonst ein reaktantes Verhalten an den Tag legen. Weiters soll man nicht stur gegen die Überzeugung der Patienten argumentieren und versuchen sie zu ändern oder abzulenken. Die Taktik der Jüngeren ist, das Verhalten zu hinterfragen, warum der Patient das macht und was seine Beweggründe sind. So gegensätzlich auch diese zwei Strategien sind, so können sie doch gemeinsam angewandt werden.

Auf die Frage welches Pflegemodell im Krankenhaus angewendet wird, erfuhren wir, dass man sich an der Bedürfnispyramide nach Maslow orientiert. Genau betrachtet wird aber das Modell von Dorothea Orem genutzt (Beide Modelle sind im Artikel genauer beschrieben).

Die jahrelange Erfahrung der älteren Schwestern äußert sich durch das Annehmen der Patienten, ihnen das Gefühl zu geben, gut aufgehoben zu sein - sie sind KEINE NUMMER auf der Station. Der Patient wird als Individuum angesehen und so auch behandelt und das äußert sich folgendermaßen: Die üblichen Gepflogenheiten der Station werden den Patienten erklärt und die Station genau gezeigt. Zusätzlich werden diverse Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Sehr beliebt bei den Patienten ist der Aufenthaltsraum, wo sie miteinander reden oder auch nur fernsehen können.

Quellenangabe:

Internet:

o http://www.p-moeller.de/beduerfn.htm

o http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Beduerfnisse.shtml

o http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/aRBEITSBLaETTERORD/LERNTECHNIKORD/Motivation.html

o http://www.geronto.at/Artikel/Themen_der_Selbstpflege/themen_der_selbstpflege.html

o http://www.pflegewiki.de

o http://www.wikipedia.de

Bücher:

„Psychologie für Fachschulen“ von Adolf Illichmann, öbv e hpt Verlag, Wien